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Tausende Asylwerber warten: Bosnische Grenzstadt mit Situation überfordert

Symbolbild: By Joachim Seidler, photog_at from Austria (20150904 174) [CC BY 2.0 ], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Seit Jahresbeginn sind mehr als 10.000 Asylwerber nach Bosnien gekommen, um sich von dort weiter in den Norden durchzuschlagen. Doch an der kroatischen Grenze ist Schluss. In der bosnischen Grenzstadt Bihać befinden sich zurzeit mehr als 5.000 Asylwerber. Das stellt Behörden und Einwohner vor neue Herausforderungen.

Laut Angaben der kroatischen Behörden wurden bis zum 20. Juli mehr als 5.000 Flüchtlinge in Bihać registriert. Die meisten kommen aus Ländern wie Afghanistan, dem Iran, dem Irak, Pakistan, Syrien, Libyen, Algerien, dem Sudan und Marokko. Mehr als 80% sind dabei alleine, also ohne Familie unterwegs, berichtet die Internationale Organisation für Migration (IOM), die sich vor Ort um die Unterbringung und Versorgung der Asylwerber kümmert.

Korrekte“ Polizeiarbeit

Wie die kroatische Nachrichtenseite Večernji list berichtet, wächst mit den steigenden Asylzahlen auch die Angst vor Gewalttaten, Vergewaltigungen und Terror bei den Einheimischen. Aus diesem Grund komme es häufig zu Polizeikontrollen in der Asylunterkunft und den Zeltlagern. Bei diesen Kontrollen seien unter anderem Waffen wie Schlagringe, aber auch Drogen gefunden worden. Dem Bericht zufolge kam es weiters zu Festnahmen und manche Asylwerber wollten sich nicht registrieren lassen.

Auch der 24‐jährige Zarif aus Pakistan zählt zu den Asylwerbern, die sich aktuell in Bihać befinden. Nach eigenen Angaben versuchte er schon fünf Mal, die bosnisch‐kroatische Grenze zu überqueren. Die kroatische Polizei habe ihn jedes Mal aufgegriffen. Dabei sei er stets „korrekt“ behandelt und wieder zurückgeschickt worden, ohne dass ihm von der Polizei „auch nur ein Haar gekrümmt wurde“, erklärt er im Gespräch mit Večernji list. Viele der Asylwerber würden sich aber unkooperativ verhalten und der Polizei davonlaufen. Manche seien auch aggressiv und würden sich wehren, weshalb die Polizei manchmal härter durchgreife, schildert der 24‐Jährige.

Wie im Wilden Westen“

Unter den Einheimischen sind die Meinungen über die aktuelle Situation gespalten. In der Stadt ist „nichts mehr so wie es war“ und die Situation sei „katastrophal“, erklärt der 45‐jährige Asmir. Man fühle sich nicht mehr sicher und habe auch Angst vor verschiedenen Krankheiten. Wenn er heute durch die Stadt spaziere, fühle er sich „wie in Indien oder Pakistan“. Die Asylwerber würden sich nicht an die örtlichen Gepflogenheiten anpassen, sondern sich „wie im Wilden Westen“ verhalten. Sie würden Passanten anfallen, Schaufensterauslagen zerstören und stehlen, erzählt der 45‐Jährige der kroatischen Nachrichtenseite.

Die 30‐jährige Alma hingegen steht der Situation positiv gegenüber. Sie weist auf die Vergangenheit des Landes hin und meint, dass auch ihnen geholfen wurde, als sie sich damals „im Krieg und auf der Flucht“ befunden hatten. Sie ist sich sicher, dass diese Migranten in ihre Heimatländer zurückkehren werden, sollten sie es nicht in ein EU‐Land schaffen.

Chaotische Umstände

Aufgrund der aktuellen Situation wurde in der Stadt auch schon eine Demonstration organisiert, um auf die „chaotischen Umstände” aufmerksam zu machen. Halid Dedić, Vorsitzender eines Bürger‐Forums und Organisator der Demonstration, meint, die unzulänglichen Unterbringungs‐ und Verpflegungsmöglichkeiten der Stadt seien an der vorherrschenden Situation schuld. Seinen Angaben zufolge gebe es in einigen Teilen der Stadt schon so viele Asylwerber, dass man das Gefühl habe, „nicht mehr in Bihać, sondern irgendwo anders“ zu sein.

EU‐Länder als Ziel

Viele der Migranten möchten in Bosnien und Herzegowina um Asyl ansuchen. Das erklärte Ziel vieler anderer Asylwerber ist Večernji list zufolge aber ein beliebiges EU‐Land. Ein 28‐jähriger Algerier erklärt, dass er und seine Freunde einen Weg nehmen möchten, der sie durch einen Wald und damit hoffentlich bis nach Kroatien führen werde. Viele hätten es so bereits bis nach Italien geschafft. Außerdem wurde ihnen empfohlen, stets die kroatische Währung „Kuna” bei sich zu tragen. Sie würden nämlich mit Bussen bis nach Zagreb oder bis zur kroatisch‐slowenischen Grenze reisen und damit ihrem Ziel näherkommen.

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