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Gesellschaft

#wirsindmehr: Antikapitalisten mit multinationalen Konzernen gegen rechts?

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Aktualisiert (07.09.2018 00:44): Wie sich mittlerweile herausstellte, wurden offenbar ca. 22.000 Euro an Spendengeldern lukriert, von denen ein Teil den Hinterbliebenen von Daniel H. zukommen soll. 


Wir befinden uns im Jahre 2018 n. Chr. Ganz Sachsen ist von braunen Horden besetzt…ganz Sachsen? Nein! Eine von unbeugsamen Häuptlingen und aufrechten Barden getragene Zivilgesellschaft hört nicht auf, der Verrohung der Sitten Widerstand zu leisten. Und das Leben wird nicht leicht für die rechtsradikalen Stiefeltruppen, die als Besatzung in den befestigten Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau liegen…

Kommentar von Julian Schernthaner

Dieses Narrativ kommt Ihnen gallisch beziehungsweise spanisch vor? Damit sind Sie, lieber Leser, nicht alleine. So ähnlich beginnt jedes Abenteuer der liebsten Comic-Serie meiner Jugend, von der ich über 30 Bände und zwei Dutzend Sammelfiguren besitze. Und ungefähr derart, so versucht man uns weiszumachen, erhebt sich am heutigen Montag eine breite Front an Demokraten. Geschwängert von Lautenklängen, beseelt von bestem Zaubertrank, wollen sie heute zeigen, dass ‚rechte Hetze’ keinen Platz in Sachsen habe.

Party statt Solidarität

Aber wie die glorreichen Asterix-Geschichten der beiden französischen Genies René Goscinny und Albert Uderzo eine reine Erfindung sind, so hält es sich mit dem Narrativ der #wirsindmehr-Bewegung. Denn selten zeigte die linksgerichtete Hegemonie in Kultur, Medien und Politik so deutlich ihr wahres Gesicht wie bei der heutigen Veranstaltung. Denn offenbar müssen Musikbegeisterte aus ganz Deutschland für ein Gratiskonzert angekarrt werden, um zu zeigen, wer angeblich das Sagen hat.

Das Ziel dabei ist nicht etwa, durch freiwillige Spenden seine sozialistische Solidarität darzulegen. Wäre ja durchaus möglich gewesen: Mit Sicherheit ließe sich der gewaltsame Tod eines mutmaßlich selbst die politische Linke bevorzugenden Familienvaters für die Sache an sich instrumentalisieren. Man könnte ein paar Euro Eintritt verlangen, welche zur Gänze dessen Hinterbliebenen zukäme. Oder: man könnte seiner würdevoll gedenken, anstatt für lau auf seinem Grab zu tanzen.

Mainstream-Musiker für Mainstream-Anliegen

Aber: vermutlich könnte man sich dann nicht mit Zigtausenden Menschen rühmen, welche nur dann nicht auf sich warten lassen, wenn es irgendwas „gratis” gibt. Der unbezahlbar hohe Preis des Lebens, den ein linker Deutscher mit ausländischen Wurzeln bezahlen musste, gerät da in den Hintergrund. Die Täter sind die „Falschen” – und es käme ja einem Eingeständnis der eigenen Irrwege gleich, müsste man zugeben, dass Trauer und Solidarität keine Ideologie kennt. Besser weglassen also…

Somit spannt man alles, was Rang und Namen hat vor den Karren, und lässt werbewirksam linke, linksradikale und linksextreme Musiker ‚gegen rechts’ auftreten. Und weil diese klare Kante so unheimlich wichtig ist, teilt sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Aufruf. Wen stören da schon Sympathiebekundungen mit Terrorgruppen in den Texten einer auftretenden Kapelle? Wen stört die ehemalige Verfassungsschutz-Beobachtung einer weiteren? Es geht ja um die gute Sache, der Zweck heiligt da die Mittel.

#wirsindmehr: Ein Hauch von Gaukelei

Dass auch die Bands dabei Morgenluft wittern, ist klar. Denn Künstler leben von der Aufmerksamkeit, sie leben von ihrer Erwähnung in den Medien. Die kommenden Tourneen sind vermutlich ausgebucht, gleichzeitig kann man sich in Selbstverblendung auf die Fahnen schreiben: Man ist nicht vollends kommerziell, sondern noch ein klein wenig „Punkrock für die geilen Leute”.

Dass es mit der vermeintlichen Wurzeltreue mancher der auftretenden Bands allerdings nicht weit her sein kann, zeigte die ‚Wutrede’ eines sächsischen Sozialarbeiters auf Facebook. Denn: dieselben Gruppen können sich offenbar nicht gleichzeitig zur Finanzierung tatsächlicher kleiner, linker Independent-Venues durchringen. Hat halt keine Breitenwirkung, und eine Revolution, die ihre Kinder nicht frisst, ist eben keine echte Revolution.

Groteske Werbeveranstaltung

So verwundert es auch kaum, dass die Unterstützung finanzstarker Marktführer aus der Wirtschaft gerade billig ist. Für einen Moment vergessen sind die harten Arbeitsbedingungen von Fernbusfahrern. Ebenso vergessen ist der ewige Feind der Globalisierung und des Großkapitals. So ist die Freude groß: Flixbus chauffiert die Leute gratis nach Chemnitz. Und Coca-Cola stellt Gratisgetränke bereit – für ein Konzert, das ursprünglich vor dem Riesenkopf von Karl Marx hätte stattfinden sollen.

Offenbar: Wer braucht schon Prinzipientreue, wenn es geile Mucke gibt? Für einen Moment geraten alle Umweltsünden des multinationalen Konzerns in den Hintergrund. Gerüchte über die Unterstützung von Diktatoren im südlichen Afrika – für einen Tag ebenso egal wie Menschenrechtsverletzungen in unzähligen Ländern. Wer am Samstag noch Memes gegen Mitbewerber Nestlé für seinen kuriosen Ansatz zu Trinkwasser teilte, trinkt am Montag Softdrinks einer Firma, die einst in Großbritannien industrieverschmutztes Flusswasser teuer verkaufte.

Linker Verrat – an sich selbst

Und so sonderbare Blüten dieses Spektakel treibt: Verwundern tut das im Jahr 2018 eigentlich keinen mehr. Eine Linke, welche einst quasi auf brennenden Barrikaden gegen die Springerpresse kämpfte, frisst dieser längst aus der Hand. Sie stellt heute sogar die Mehrzahl ihrer Journalisten. Dieselbe Linke, welche einst mit eigener Sub- und Gegenkultur das Lebensgefühl und den Protest einer Generation prägte, nutzt dieselben Akteure, um den Protest einer neuen Generation ersticken zu wollen. Der einfache Mann, aus dessen Bauernschläue man einst eine Bewegung baute, ist heute für diese Linke ungebildetes ‚Pack’.

Heute mögt ihr tatsächlich mehr sein – aber eines ist ebenso gewiss: Dasselbe Schicksal, welche einst die konservative Deutungshoheit ereilte, wird auch euch einst ereilen. Die Leute merken zunehmend, dass der Anspruch eurer Rhetorik und die Realität der Politik eurer Gesinnung meilenweit auseinander klaffen. Das Recht auf Gratiskonzerte kann euch niemand nehmen – aber wenn ihr die Sorgen der Menschen nicht langsam ernst nehmt, sind sie nur ein Abgesang auf eure schwindende Bedeutung.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    W Rauch

    5. September 2018 at 10:05

    Super geschrieben ! Trifft´s auf den Punkt: nahezu unbemerkt hat sich die „Linke” mit dem Kapitalismus verbündet. siehe auch Islam. Wo die intelektuelle Linke früher gegen alles „Religiöse” zu Felde zog, kuschelt sie nun mit der – im Vergleich zum Christentum – geradezu mittelalterlichen Religion/Ideologie des Islam – Ich vesteh die Welt nicht mehr.…..

    • Avatar

      Rainer Seifert

      5. September 2018 at 21:46

      Und das Christentum, jedenfalls deren Oberhirten, kuschelt mit. Unglaublich, dieser Verrat.

      Ob die aufwachen, wenn, wie in Nigeria, Kirchen brennen und Christen vermehrt abgeschlachtet werden?

      Wie praktisch, dass Bedfort Strohm und seine Nachkommen alle auch die US Staatsbürgerschaft haben. Dann können sie dort weiter ihren Unsinn verbreiten.

      • Avatar

        Dr W. Rauch

        6. September 2018 at 12:40

        Erklärungsversuch meinerseits für das Kuscheln der christlichen Kirchen mit dem Islam: Beide profitieren von Steuergeldern, welche die Allgemeinheit bezahlt, also auch die Konfessionslosen – wie ich. Beispielsweise werden Gehälter von Bischöfen und Kardinälen auch von mir bezahlt ebenso wie der Betrieb (sogenannter!) Islamwissenschaftlicher (was gibt es da wohl an Wissenschaftlichkeit?) Lehrstühlen. Beides möchte ich nicht von mir mitfinanziert wissen !!! die Angst, dass diese Querfinanzierung abgeschafft werden könnte, scheint mir christliche Kirchen und Islam zu einigen.

  2. Avatar

    Hier kommt Alex

    5. September 2018 at 13:56

    Bis jetzt der beste Artikel den ich zum Thema #Wirsindmehr gelesen habe.

  3. Avatar

    lechtsrinks

    5. September 2018 at 14:45

    Hätten die blutroten Kommunisten keine Doppelmoral hätten sie garkeine!

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Gesellschaft

Neues von rechts: Arcadi, Spengler & DGB

Stefan Juritz

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Eine neue Ausgabe des Arcadi Magazins ist erschienen. Oswald Spengler wäre vor wenigen Tagen 140 Jahre alt geworden. Und am Samstag besetzten patriotische Aktivisten kurzzeitig ein Gebäude des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Die aktuelle Ausgabe des Arcadi Magazins trägt den Titel „Corona als Globalisierungsfolge”. Dem Titelthema widmet sich Florian Sander im Politikteil mit einer risikosoziologischen Betrachtung und er fordert darin eine Globalisierungskritik von rechts. Weiters finden sich in der Ausgabe ein Interview mit Florian Reinicke, dem aktuellen Sprecher der Deutschen Burschenschaft, ein Beitrag von Dr. Wolfgang Caspart über freiheitliche Kulturpolitik sowie Kolumnen von Chris Ares („Nachricht an die Truppe der Bundeswehr”) und Roman Möseneder („Team Höcke”). Der Kulturteil wiederum startet mit einer Kritik der Netflix-Produktion „Spuk im Hill House”. Weitere Beiträge befassen sich u.a. mit dem deutschen Volkskundler Will-Erich Peuckert, dem mysteriösen Rök-Stein in Schweden und patriotischem Rap. Außerdem geht es in zwei weiteren Beiträgen um Comics. Abgedruckt ist in der Ausgabe auch ein Auszug aus dem Buch „Auf dem Weg Gottes” von Tom Wendner.

Das Heft kostet 8,50 € und kann hier bestellen werden: https://arcadi-verlag.de/produkt/arcadi-magazin-01–2020/

IfS-Leiter Lehnert raus aus DES-Vorstand

Der Philosoph und Publizist Dr. Erik Lehnert leitet gemeinsam mit dem Verleger Götz Kubitschek das neurechte Institut für Staatspolitik (IfS) aus Schnellroda. Bis vor Kurzem saß Lehnert auch im Vorstand der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES), die von der Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach geleitet wird. Doch weil der Verfassungsschutz das IfS nun ins Visier genommen hat, musste Lehnert weichen. Er wurde auf Initiative von Steinbach aus dem Vorstand gewählt. Dagegen will sich Lehnert jedoch zur Wehr setzen: „Ich bin weiterhin Mitglied der Stiftung und werde alle Möglichkeiten nutzen, um zu verhindern, dass aus der DES die Stiftung der Werte-Union wird”, erklärte Lehnert (Die Tagesstimme berichtete).

Passend dazu auch die neueste Folge des Podcasts „Die Krisentrinker”. Götz Kubitschek, Erik Lehnert und Raskolnikov sprechen diesmal über einen ZEIT-Journalisten, die Desiderius-Erasmus-Stiftung und die AfD.

Kleine-Hartlage im Interview

Der rechte Sozialwissenschaftler Manfred Kleine-Hartlage sprach im Tagesstimme-Interview über sein neues Buch „Konservativenbeschimpfung” und das aktuelle Verhalten der AfD-Spitze. Er spart dabei ganz und gar nicht mit Kritik!

Lagebesprechung: Benedikt Kaiser im Podcast

In der aktuellen Folge des „Lagebesprechung”-Podcasts ist der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser bereits zum zweiten Mal zu Gast. Diesmal spricht er über die Folgen der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und mögliche Chancen für die politische Rechte.

Kohlmarkt 4: Ibiza, Strache, Jamaikarum

Im Kohlmarkt 4 sprechen Christoph Pöchinger und Robert Willacker u.a. über den Ibiza-U-Ausschuss und HC Straches Frauengeschmack. Außerdem gibt es eine besondere Rumverkostung!

Stuttgart: Identitäre besuchten Gewerkschaftsbund

Am Samstag besetzten Aktivisten der Identitären Bewegung Deutschland kurzzeitig da Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und entrollten ein provokantes Banner mit der Aufschrift „DGB hat mitgeschossen!”. Mehr zur Aktion findet man im Tagesstimme-Artikel:

140. Geburtstag Oswald Spengler

Am 29. Mai 1880 wurde Oswald Spengler in Blankenburg am Harz geboren. Der Autor des „Untergang des Abendlandes” wäre in diesem Jahr 140 Jahre alt geworden. Anlässlich seines Geburtstags veröffentlichte das Anbruch Magazin einige Gedankensplitter Adornos zum Spenglerschen Denken:

In der neuen Folge des Anbruch-Kulturpodcasts „Wer redet ist nicht tot” geht es diesmal u.a. um Ernst Jünger, Joseph Ratzinger, Poster im Jugendzimmer und Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Literatur bei der JA Sachsen-Anhalt

Die dritte Folge des „Literaturkartells” der Jungen Alternative Sachsen-Anhalt beschäftigt sich mit dem Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger und Hermann Hesse:

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Gesellschaft

Regionale Produkte: Fast schon 300 Selbstbedienungshütten in Kärnten

Monika Šimić

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am

In vielen Teilen Kärntens können Kunden ihre regionalen Produkte nun vermehrt direkt in sogenannten Selbstbedienungshütten kaufen.

St. Veit/Glan. -  Die Coronavirus-Krise hat regionalen Produkten einen zusätzlichen Schub verliehen, weshalb in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt von einer Hinwendung zu regional hergestellten Produkten die Rede war. In Kärnten kann man solche Produkte nun in Selbstbedienungshütten kaufen, von denen es im südlich gelegenen Bundesland bereits an die 300 gibt.

Vielfalt an regionalen Produkten

Den Boom solcher Hütten kann auch die Landwirtschaftskammer bestätigen. Eine genaue Erhebung läuft gerade, geschätzt gibt es zwischen 250 bis 300 solcher Hütten. „Jeder landwirtschaftliche Betrieb kann seine Produkte vermarkten und jeder der Lebensmittel verkauft, muss nach dem Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz handeln, d.h. die ganzen Eigenkontrollen und so weiter durchführen. Die Voraussetzung ist dafür, dass man die Produkte, wenn man sie verpackt, entsprechend kennzeichnet und entsprechend dem Kodex herstellt”, wird Friederike Parz von der Landwirtschaftskammer vom ORF zitiert.

In einigen dieser Hütten können Kunden beinahe 24 Stunden, sieben Tage die Woche einkaufen. Die Regale werden mit frischer Ware aufgefüllt, wo sich schließlich die vielfältigsten Produkte finden lassen. Bezahlen können die Kunden dann selbstständig, allerdings nicht überall. Die Hütten werden von den zuständigen Behörden auch laufend überprüft, um etwa die Qualitäts- und Hygienestandards zu kontrollieren.

Regionalität liegt im Trend

Dass die Mehrheit der Österreicher den Begriff Regionalität symphatisch findet, hat bereits eine Umfrage des Instituts für Markt- und Sozialanalysen (IMAS) gezeigt. Den Ergebnissen der Umfrage zufolge sieht der Großteil der Befragten regionale Produkte und Dienstleistungen außerdem nicht nur als Beitrag für die heimische Wirtschaft an, sondern es ist auch ein deutlicher Trend hin zum regionalen Wirtschaften erkennbar.

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Gesellschaft

Mehrheit der deutschen Frauen gegen Gender-Sprache

Julian Schernthaner

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am

Eine aktuelle Umfrage bestätigt, was viele Bürger bereits ahnten: Weder bei Frauen noch bei Männern kommt die sogenannte „gendergerechte Sprache” sonderlich gut an.

Berlin. – Wie die Welt unter Berufung auf eine Auftragsbefragung über Infratest-Dimap berichtet, hat die Mehrheit der Deutschen keine Freude am ‚Gendern’. Denn 56 Prozent lehnen dies prinzipiell ab – und sowohl sanfte als auch harte Befürworter der linguistischen Veränderung machen nur ein Drittel aus. Besonders interessant: Auch 52 Prozent der Frauen richten sich gegen die Sprachvariante, die sie angeblich sichtbar machen soll.

Gender: Sogar Mitte-Links-Vertreter nicht nur begeistert

Angestoßen wurde die neuerliche öffentliche Debatte vor etwa einer Woche im Bezug auf die Talk-Sendung „Anne Will”. Nachdem die Moderatorin den weiblichen Aspekt der „Steuerzahler-Innen” betont hatte, legte Grünen-Chefin Anna-Lena Baerbock mit der Unsinns-Schöpfung „Steuer-Innen-Zahler” nach. Diese Äußerung rief vor allem in sozialen Medien diverse ablehnende Rekationen von Unmut bis Belustigung hervor.

Dabei ist selbst im mitte-links positionierten Mainstream keine einhellige Zustimmung vorhanden. ZDF-Talker Markus Lanz erklärte seine kritische Haltung wie folgt: „Die Lage einer verfolgten Minderheit in China wird keinen Deut besser, wenn man von Uigurinnen und Uiguren redet und sich dabei die Zunge verrenkt.” Und Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, resümiert, selbst unter der kritikfreudigen Leserschaft seines Blattes habe sich „in 16 Jahren noch niemand darüber beschwert, dass wir nicht gendern”.

Verändert sprachlicher Wandel wirklich unser Denken?

Aus rein sprachwissenschaftlicher Sicht baut die gesamte feministische Linguistik auf der Annahme der Sapir-Whorf-Hypothese auf, wonach die semantische – also die Bedeutung von Zeichen betreffende – Struktur und der Wortschatz unserer Muttersprache unser Denken beeinflussen. Nach dieser Logik ist eine Veränderung der Gesellschaft nur über eine Veränderung der Sprache möglich. Kritiker wenden ein, dass manche Sprachen ohne grammatischen Genus wie Türkisch oder Persisch eher patriarchale Kulturen begleiten.

Zudem herrscht selbst unter befürwortenden Forscher kein Konsens über die Art und Weise des Genderns. Vom Binnen‑I über das Gender-Sternchen und den Gender-Gap bis hin zu radikalen Ansätzen wie die Ersetzung des Geschlechtsmarkers durch ein „x” gibt es zahlreiche Ansätze, die allesamt ihre Befürworter und Gegner haben. Dass die Bürger mit solchen Spitzfindigkeiten weniger anfangen können, zeigt sich allerdings an dieser jüngsten Umfrage.

Über 110.000 Unterschriften gegen Gendersprache

Bereits im Vorjahr hatte sich Widerstand gegen diesen sprachlichen Trend geregt. Zeitgleich liefen damals zwei Petitionen gegen Gendersprache. Jene des Vereins Deutsche Sprache (VDS), für den sich auch Prominente und sogar ganze Gemeinden engagieren, fand unter dem Titel „Schluss mit dem Gender-Unfug” nicht weniger als 76.000 Unterstützer. Die vordergründig von liberal-konservativen Kräften getragene „Stop Gendersprache Jetzt” schaffte es immerhin auf 35.000 Unterschriften. Beide Initiativen laufen noch.


Weiterlesen:

Zehntausende Unterschriften für Petitionen gegen Gender-Sprache (11.3.2019)

Sprachexperten rufen zum „Widerstand” gegen „Gender-Unfug” auf (7.3.2019)

Hannover und die Gender-Debatte: Frauen, Feuer und gefährliche Ideologie (Kolumne, 24.1.2019)


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