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Gesellschaft

Tendenz zu Parallelgesellschaften

Redaktion

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Symbolbild / Klassenzimmer: By Klasse9a-projekt [Public domain], from Wikimedia Commons / Bild Muslimas (CC0) / Collage: Die Tagesstimme

Kulturelle Abschottung in einzelnen Stadtvierteln, Integrationsfallen, religiöse Hegemoniebestrebungen in Schulen und antisemitische Einstellungen unter muslimischen Jugendlichen: Das zeigt ein 93-seitiger Bericht, verfasst von der Politikwissenschaftlerin Nina Scholz und dem Historiker Heiko Heinisch im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) im April 2018.

Ein Bericht der Recherche-Plattform Addendum

Der Bericht, der Addendum exklusiv vorliegt, war vom Integrationsfonds allerdings nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, er sollte später in eine breit angelegte Studie zum Thema Parallelgesellschaft einfließen, wie es im Regierungsprogramm im Integrationskapitel festgeschrieben worden sei, heißt es auf Anfrage von Addendum.

Die Arbeit von Heinisch und Scholz entspreche laut einer Sprecherin des ÖIF keiner repräsentativen Vorerhebung, für die Gesamtstudie brauche es deshalb noch weitere belastbare Daten, da es sich um ein sehr sensibles Thema handle. Die Autoren selbst sprechen auf schriftliche Anfrage von keiner systematischen Erhebung, sondern von einem „Versuch, das Feld für eventuelle Studien abzustecken“. Weitere Aufträge haben sie vom ÖIF bislang nicht erhalten.

Welche zusätzlichen Studien noch in Auftrag gegeben worden sind, und in welchem Ausmaß die vorliegende Arbeit von Heinisch und Scholz schlussendlich in die Gesamtbewertung miteinbezogen wird, wollte oder konnte das ÖIF nicht beantworten. Auch nicht, ob die Arbeit überhaupt berücksichtigt werden wird. Addendum hat deshalb die wichtigsten Punkte des Papiers zusammengefasst.
Von der Methodik her basiert die Arbeit der beiden Autoren auf einer umfassenden Literatur- und Medienrecherche und zahlreichen Interviews mit Richtern, Exekutivbeamten und Lehrern.

Ethnische Kolonien als Integrationsfallen

In den geführten Interviews mit Exekutivbeamten wurden die Wiener Bezirke Favoriten, Simmering, Ottakring, Rudolfsheim-Fünfhaus, Brigittenau und Leopoldstadt genannt, in denen sich Strukturen einer Parallelgesellschaft abzeichnen oder teilweise schon vorhanden sind. Vor allem türkische Migranten seien aufgrund ihrer Anzahl in diesen Vierteln auf dem Weg, sich in abgeschlossene „Communitys zu segregieren“. Eine ähnliche Tendenz werde auch bei serbisch-, tschetschenisch- und afghanischstämmigen Migranten beobachtet.
Ein Beamter berichtet zum Beispiel vom Entstehen einer „ethnischen Kolonie“ in Wien-Favoriten: „Eine durchschnittliche türkische Familie, die nicht deutsch sprechen möchte und die sich nicht in die österreichische Gesellschaft integrieren mag, kann nur in Sprechbereiche gehen, wo türkisch gesprochen wird, kann türkisch einkaufen gehen, zum türkischen Schuster, zum türkischen Computerfachmann, zu den türkischen Ärzten und kann den ganzen Tag nur in ihrer Gemeinde verbringen.“ Im Bericht werden diese monoethnisch und monokulturell geprägten Bezirke als „Integrationsfallen“ für die dort lebenden Menschen bezeichnet.

Konflikte mit Schlagstöcken und Messern

Ein weiteres Problem: Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern verschiedener Ethnien würden sich, den befragten Exekutivbeamten zufolge, in diesen Stadtvierteln schnell zu gewalttätigen Konflikten zwischen größeren Gruppen ausweiten.
„Es sind sehr rasch Menschen da, die sich hier auch dann einbringen und wenn das die gleiche Ethnie ist, (…) dann gibt’s Jugendliche, die sofort nach Hause laufen und Schlagstöcke oder Messer holen, um unterstützend tätig zu sein.“ Zudem würden ethnische Gruppen immer wieder versuchen, bestimmte Plätze oder Parks im Bezirk zu besetzen und als ihr Revier in Besitz zu nehmen und, wenn notwendig, auch gewaltsam gegen andere zu verteidigen. Die Polizei müsse diese Bereiche buchstäblich zurückerobern, sagt ein Beamter: „Wir haben richtige Großaktionen gemacht, wo wir in den Park hinein sind mit einem polizeilichen Aufgebot und gesagt haben, das ist unser Park.“

Ansätze einer Paralleljustiz

Konkrete Hinweise auf die Existenz einer systematischen Paralleljustiz erhielten die Autoren in Gesprächen mit Richtern und Vertretern der Exekutive nicht. Ansätze einer Paralleljustiz gebe es jedoch in familienrechtlichen Angelegenheiten. Eine befragte Familienrichterin äußerte den Verdacht, dass bei einvernehmlichen Scheidungen, bei denen die Frau auf alle Ansprüche verzichtet, im Hintergrund eine religiöse Autorität gemeinsam mit der Familie Druck ausüben und ihre Macht ausspielen würde. Auch im Bereich des Strafrechts vermuten die konsultierten Richter ein Dunkelfeld. Sie kritisieren, dass entsprechende Fälle erst gar nicht zu Gericht kommen, weil es der Polizei trotz erheblicher Verdachtsmomente nicht gelänge, ausreichend Beweise für das Vorhandensein einer Straftat vorzulegen.

Ehrvorstellungen fördern Parallelgesellschaften

Als problematisch bewerten die befragten Richter und Exekutivbeamten auch die vorherrschenden traditionellen Ehrvorstellungen. Denn die Haltung, dass familiäre Angelegenheiten den Staat und die Mehrheitsgesellschaft nichts anzugehen hätten, gehe oft mit einer gewissen Ablehnung des geltenden staatlichen Rechtssystems einher, da dieses, so die Meinung, der Durchsetzung der Familienehre im Weg stehe. Die Verfasser der Studie kommen zum Fazit: „Traditionelle Ehrvorstellungen fördern die Herausbildung parallelgesellschaftlicher Strukturen, da mit einer strengen Dichotomie (ehrenhaft – unehrenhaft, anständig – sündhaft) eine klare Trennlinie zwischen dem Innen und dem Außen, dem Eigenen und dem Fremden gezogen wird.“

Je mehr muslimische Schüler an einer Schule, desto wahrscheinlicher kulturelle Abschottung

Parallelgesellschaftliche Entwicklungen zeigen sich laut Studienautoren am deutlichsten an Schulen mit einem hohen Anteil an muslimischen Schülern. Die Autoren warnen, dass diesen Kindern oftmals in ihrem familiären Umfeld Werte und Einstellungen vermittelt würden, die unserer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft diametral entgegenstehen.
Interessant ist, dass anders als im Zuge der Diskussion über die Probleme mit dem konservativen Islam an Neuen Mittelschulen vielfach angenommen, der Schultyp offenbar deutlich weniger Einfluss auf die Häufigkeit und Stärke der im Schulalltag auftretenden religiösen Konflikte zu haben scheint als die Zusammensetzung der Klasse.

„Je mehr muslimische Schüler an einer Schule sind, umso deutlicher zeigen sich Tendenzen kultureller Abschottung, Widerstände gegen bestimmte Unterrichtsinhalte und Versuche identitär islamischer Peergroups, Schülerinnen und Schüler mit muslimischem Familienhintergrund zu einem ‚islamkonformen‘ Lebensstil zu nötigen“, bilanzieren die Autoren.

Eine für den Bericht befragte Lehrerin warnt vor einer immer strenger werdenden Kleiderordnung. Wer kein Kopftuch aufsetze, werde angefeindet und als „Nutte“ beschimpft. Alle für den Bericht konsultierten Lehrkräfte beobachten eine spürbare Zunahme von Schülerinnen mit Kopftuch. Eine AHS-Lehrkraft führt diese Entwicklung auch auf den türkischen Nationalismus zurück und spricht von einer „politischen Missionierung“. Die Präsenz der türkischen Außenpolitik in Österreichs Schulklassen bezeichnet sie als „Wahnsinn“.

Wiener Lehrkräfte warnen: „Verhärtung islamischer Regeln“

Pädagogen beklagen in Schulen auch die immer stärker werdende Verbotskultur. „Haram“, also islamisch verboten, sei, den Befragten zufolge, ein tieferer Ausschnitt, ein kurzer Rock oder offen getragenes Haar, Musik hören, Gesichter und Körper zeichnen oder auch ein Zusammenarbeiten von Burschen und Mädchen. Die Rede ist auch von religiös motiviertem Mobbing, das an einer Schule sogar zu physischen Attacken auf ein Mädchen, das sich offenbar in den Augen ihrer Mitschüler zu „unzüchtig“ gekleidet hatte, ausartete.
Die befragten Wiener Lehrkräfte berichten auch, dass sie allgemein eine „Verhärtung islamischer Regeln“ wahrnehmen, die sich besonders drastisch im Ramadan zeige, und die mit einer Abwertung derjenigen Schüler einhergehe, die den Fastenmonat nicht einhalten.

Bevor man mit Kindern im Burkini Schwimmen geht, verzichtet man

Die Autoren bemängeln zudem, dass Lehrinhalte in der Schule immer öfter unter „fundamentalistisch islamischen Einstellungen“ leiden. Als besonderes Problemfeld nennen befragte Lehrkräfte den Schwimmunterricht. Dieser finde an vielen Schulen kaum noch statt, da viele muslimische Eltern ihre Kinder befreien ließen, weil sie nicht wollen, dass sich ihre Töchter gemeinsam mit Burschen im Schwimmbad aufhalten.

Dass Schwimmen fester Bestandteil des Lehrplans ist, spielt offenbar keine Rolle, wie die Aussage einer Pädagogin zeigt: „Ja, natürlich steht es im Lehrplan, aber es wird nicht mehr gemacht. Und bevor man dann mit Kindern im Burkini hingeht, verzichtet man lieber drauf.“
Um die Schulpflicht beim Schwimmunterricht manchmal durchzusetzen, würden einige Lehrer den Eltern androhen, ihr Kind das Jahr wiederholen zu lassen, wohlwissend, dass sie sich mit solchen Methoden am Rande des gesetzlich Erlaubten bewegen.

Todsünden und Hölle

Überhaupt werde an immer mehr Schulen die Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, Sexualität und Nacktheit verweigert. Eine AHS-Lehrkraft berichtet von religiös begründeten Verweigerungshaltungen ihrer Schülerinnen und Schüler, wenn es um Nacktdarstellungen im Lehrbuch und um das Zeichnen des menschlichen Körpers geht.

Laut Aussage einer Lehrerin werde dieses Gedankengut auch in der Moschee vermittelt: „Und der Bub in der 5. Klasse hat zu mir gesagt, außerehelicher Sex sei eine Todsünde und man komme in die Hölle. […] Da war ich noch unvorbereitet und habe alarmiert gefragt: ‚Woher hast du denn das?!‘ Und da hat er mir gesagt, das habe er schon an vielen Moscheen in Wien so erklärt bekommen.“
Die Zeit am Wochenende in den Gebetshäusern wird an mehreren Stellen im Bericht als hinderlich für die Integration der Schüler beschrieben. „Nach dem Wochenende haben wir oft den Eindruck, dass die Kinder wie nach einer Gehirnwäsche wieder in der Schule sitzen“, sagt eine Lehrerin.

In drei der befragten Schulen soll es zu Problemen mit den islamischen Religionslehrern gekommen sein. Eine AHS-Lehrerin beschwerte sich über die mangelhaften Deutschkenntnisse eines Religionslehrers, eine NMS-Lehrkraft berichtete, dass der islamische Religionslehrer versuchte, die Schüler davon zu überzeugen, dass die Evolutionstheorie falsch sei. An einem Gymnasium habe eine Religionslehrerin versucht, die Einrichtung eines eigenen Gebetsraums für muslimische Schüler durchzusetzen. Dieselbe Religionslehrerin wollte zudem islamische Regeln für die gesamte Schule einführen, indem sie forderte, dass Sportwochen, Ausflüge und Schularbeiten nur noch außerhalb des Ramadans stattfinden sollten.

Antisemitismus unter Schülern

Sorgen bereiten den befragten Lehrkräften auch die antisemitischen Einstellungen einiger muslimischer Schüler. In einigen Klassen sei es kaum noch möglich, über das Thema Nationalsozialismus zu sprechen, ohne dass es zu heftigen Störungen, Boykotten und antisemitischen Ausbrüchen komme. Viele Schüler könnten kaum noch zwischen einem religiösen Dogma und gesicherten Fakten unterscheiden. Besuche der KZ-Gedenkstätte Mauthausen seien oftmals nicht mehr möglich, ohne dass sich eine Lawine antisemitischer Äußerungen Bahn breche, wie es eine Lehrkraft formuliert.

Dieses Gedankengut ist dem Bericht zufolge aber nicht nur ein Problem an Neuen Mittelschulen. Die Autoren sprechen von einer großen Verbreitung antisemitischer Einstellungen und Stereotype unter muslimischen Kindern und Jugendlichen an allen von ihnen befragten Schulen. So erzählt die Lehrkraft eines Gymnasiums, dass es auch an ihrer Schule bereits vorgekommen sei, dass etliche muslimische Schüler den Ausflug ins Jüdische Museum boykottiert hätten.

Wann wird die Gesamtstudie veröffentlicht?

Zusammenfassend zeigen die Aussagen von Richtern, Exekutivbeamten und Lehrern, die von den beiden Studienautoren dokumentiert wurden, deutlich die Tendenz zu gesellschaftlichen Parallelstrukturen als Ergebnis mangelhafter oder verfehlter Integrationspolitik.
Wann die Gesamtdaten, inklusive der neuen Untersuchungen, an das Außen- und Integrationsministerium übermittelt werden, wollte man nicht bekannt geben.

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht unter https://www.addendum.org/schule/parallelgesellschaften/

1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Peter Lüdin

    1. Oktober 2018 at 19:28

    Sollten die radikalen Muslime den Bogen noch weiter überspannen, steht vielen der gegenwärtig in Europa sich aufhaltenden muslimischen Fanatikern den Weg Boabdils bevor. Sobald man sich in Europa entschliesst, dem religiösen Terrorismus mit Einigkeit und Entschlossenheit einen Riegel vorzuschieben, werden etliche muslimische Fanatiker die Heimreise antreten. Das wäre die Konsequenz, sollte man in Europa tatsächlich Hannah Arendts Dictum beherzigen.

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Gesellschaft

“Großer Austausch”: 100 Besucher bei Identitären-Vortrag in Wien

Joshua Hahn

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ASDF Bild (Martin Sellner während seinem Redebeitrag): Privat

Am Samstag luden die Identitären zu einer Informationsveranstaltung über den sogenannten “Großen Austausch” ein. Thematisiert wurden nicht zuletzt die gängigen Fehlinterpretationen und die oftmals bewussten Falschaussagen über den Begriff.

Wien. – Die Redner bei der Veranstaltung waren Martin Sellner sowie der neurechte Publizist Martin Lichtmesz.

Das Thema wurde besonders in Bezug auf das Attentat in Christchurch in letzter Zeit immer wieder medial thematisiert. Fehlinterpretationen und die Unterstellung einer „Verschwörungstheorie“ stellten dabei jedoch weniger eine Ausnahme als die Regel dar.

Etwa 100 Besucher

Der Wirbel um die Thematik schlug sich auch bei den Besucherzahlen des Vortrages nieder. Der Vortragsraum war mit etwa 100 Besuchern trotz der Ereignisse um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) gut gefüllt, die Eintrittskarten waren bereits im Vorfeld schnell vergriffen.

Begriffsfragen und Auswirkungen

Der erste der beiden Vorträge wurde vom Publizisten Martin Lichtmesz gehalten. Der thematische Schwerpunkt lag hierbei vor allem auf der Klärung des Begriffs. Anhand mehrerer Beispiele aus diversen Zeitungsartikeln und Reportagen rund um die angebliche „Verschwörungstheorie“ ging Lichtmesz auf die Vorwürfe ein und unterzog sie einer kritischen Analyse.

Beispielsweise ging der Publizist auf den Vorwurf ein, die Identitären würden einen von einer privilegierten Gruppe explizit gesteuerten “Großen Austausch” propagieren. Zwar stecke hinter dem Vorgang kein „Masterplan“, der von einer Gruppe beschlossen wurde. Sehr wohl müsse man sich jedoch eingestehen, dass es mittlerweile eine große Zahl an Lobbys und NGOs gebe, welche sich zumindest finanziell an Entgrenzungen beteiligen und dem “Austausch” nicht entgegenwirken, sondern ihn dadurch aktiv fördern.

“Ersetzungseinwanderung”

Identitären-Chef Martin Sellner behandelte in seinem Vortrag besonders die unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Anhand verschiedener Grafiken und Statistiken vermittelte er die Folgen für Österreich.

Abschließend plädierte Sellner dafür, den Begriff der „Masseneinwanderung“ mit dem der „Ersetzungseinwanderung“ zu tauschen, da dieser für die Problematik deutlich passender sei.

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Gesellschaft

Kopftuchverbot beschlossen: IGGÖ will sich an VfGH wenden

Monika Šimić

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ASDF Bild: Verfassungsgerichtshof in Wien / Haeferl [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

“Das Kopftuchverbot an Volksschulen führt erst zu Segregation und Diskriminierung von muslimischen Mädchen”, meint Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ).

Wien. Am Mittwochabend hat der Nationalrat das Kopftuchverbot für Volksschulkinder beschlossen. Damit wird “das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist”, untersagt. Ausgenommen sind aber Verbände aus medizinischen Gründen bzw. Kopfbedeckungen aus Witterungsgründen. Dass die jüdische Kippa und die Patka der Sikhs nicht gemeint sind, soll dadurch klar gestellt werden, dass es um Kleidungsstücke geht, “welche das gesamte Haupthaar oder große Teile dessen verhüllen”. Für diese Neuregelung stimmten die ÖVP, die FPÖ, aber auch zwei Abgeordnete der Fraktion JETZT. Kritik kommt von der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ).

Kopftuch ein “politisches Symbol”

Laut ÖVP-Mandatar Rudolf Taschner stellt das Kopftuch ein “politisches Symbol der Unterdrückung und der Unterwerfung von Frauen und Mädchen” dar. Die Geisteshaltung dahinter “bedeute nichts weniger, als die Drohung eines Endes der Aufklärung”. Nico Marchetti (ebenfalls ÖVP) meinte, dass Mädchen vor “überzogenen Auslegungen des Islam” geschützt werden müssten. “In einer normalen Auslegung des Islam tragen Mädchen vor der Geschlechtsreife kein Kopftuch, daher sei es im Volksschulalter auch gar nicht erforderlich”. Aus diesem Grund könne auch keine Rede von einer Einschränkung der Religionsfreiheit sein, so Marchetti.

Auch die FPÖ sieht das Kopftuch als Symbol des politischen Islam, gegen den man sich wende und den man in Österreich nicht wolle. Durch den politischen Islam habe in vielen Ländern in den letzten Jahrzehnten ein klarer Rückschritt in Fragen der Frauenrechte stattgefunden, so Peter Wurm (FPÖ). Das Kinderkopftuch sei auch aus Sicht von Islamexperten ein Verstoß gegen die Kinderrechte. Ein Verbot sei daher unumgänglich, und schon durch einen Einzelfall gerechtfertigt.

Kopftuchverbot soll Integration fördern

In der Gesetzesnovelle zum Kopftuch heißt es nun: “Um die bestmögliche Entwicklung und Entfaltung aller Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, ist diesen bis zum Ende des Schuljahres, in welchem sie das 10. Lebensjahr vollenden, das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist, untersagt. Dies dient der sozialen Integration von Kindern gemäß den lokalen Gebräuchen und Sitten, der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie der Gleichstellung von Mann und Frau”. Bei einem Verstoß hat die Schulleitung die zuständige Bildungsdirektion zu verständigen, die wiederum die Eltern zu einem verpflichtenden Gespräch zu laden hat. Findet nach dem Gespräch ein weiterer Verstoß statt, ist mit einer Geldstrafe von bis zu 440 Euro zu rechnen.

IGGÖ kritisiert Verbot

Nachdem die Gesetzesnovelle zum Kopftuch am Mittwoch beschlossen wurde, meldete sich die IGGÖ zu Wort und erklärte, dass sie das Kopftuchverbot vor den Verfassungsgerichtshof (VfGH) bringen wolle. “Das Kopftuchverbot an Volksschulen führt erst zu Segregation und Diskriminierung von muslimischen Mädchen”, kritisiert Ümit Vural, Präsident der IGGÖ. In einer Aussendung wirft Vural der Regierung außerdem vor, dass es ihr nicht nur um das Kindeswohl ginge. Das vorliegende Gesetz diskriminiere ausschließlich das islamische Kopftuch. Dieses sei aber “Teil der religiösen Praxis”.

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Gesellschaft

Körperverletzung mit Todesfolge: Milde Urteile im Todesfall von Köthen

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild: PxHere [CC0]

Für einiges Unverständnis dürfte das Urteil des Landgerichts Dessau-Roßlau sorgen. Im Fall rund um den nach einer brutalen Attacke verstorbenen Deutschen in Köthen fasste der Haupttäter nur 17 Monate Haft aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Köthen/Dessau-Roßlau. – Es war ein Fall, welcher bundesweit für Aufregung sorgte: Ein junger Deutscher (22) versucht einen Streit zwischen drei Afghanen zu schlichten. In der Folge kommt es zu einem Raufhandel, mehrfach treten die Migranten auf ihren Kontrahenten ein, selbst als dieser bereits auf den Boden liegt. Im Krankenhaus verstirbt der herzkranke Mann.

Körperverletzung mit Todesfolge: Milde Urteile

Zwar stellte die vorsitzende Richterin dem Focus zufolge fest, dass dessen Ableben kein bloßer Unfall war und führte seinen Tod auf die Körperverletzung vonseiten der Angeklagten zurück. Selbst die Staatsanwaltschaft ging dabei davon aus, dass die Täter nicht mit der Herzerkrankung ihres Opfers rechnen konnten – und forderte eine Jugendstrafe für die beiden Angeklagten im Alter von 17 und 19 Jahren.

Nun erging tatsächlich ein entsprechend mildes Urteil gegen die beiden Afghanen. Der Haupttäter erhielt wegen Körperverletzung mit Todesfolge lediglich 17 Monate Haft. Der Zweitangeklagte fasste – aufgrund zweier weiterer Vergehen – eines Gesamtfreiheitsstrafe von 19 Monaten aus. Damit ist unklar, ob die beiden überhaupt in Haft müssen. Ihre Verteidiger hatten ursprünglich überhaupt einen Freispruch für beide Angeklagten gefordert.

Bruch mit bisheriger Rechtsprechung

Die Familie des Getöteten nahm die Urteilsverkündung weniger wohlwollend zur Kenntnis, sie reagierten aggressiv. Sein Bruder warf einen Tisch um, seine Schwester schrie. Letztlich mussten Justizbeamte die Lage beruhigen, die Angeklagten wurden zwischendurch aus dem Raum geführt.

Tatsächlich steht das Urteil im krassen Gegensatz zur bisherigen Judikatur in ähnlichen Fällen. Im vielbeachteten Fall Brunner in einem Münchener Vorort etwa verstarb ein herzkranker Mann ebenfalls nach Tritten von Jugendlichen. Beide Buben mussten anschließend mehrjährige Haftstrafen verbüßen, einer davon sogar wegen Mordes.

Proteste nach Tötungen in Köthen und Chemnitz

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall mobilisierten verschiedene rechtsgerichtete Akteure zu einer gemeinsamen Kundgebung. Etwa 2.500 Menschen demonstrierten in der sachsen-anhaltischen Kleinstadt, einige Redner prangerten die herrschenden Zustände mit teils scharfer Rhetorik an. Auch am folgenden Wochenende rief ein breites Bündnis patriotischer Kräfte zu neuerlichen Demonstrationen auf.

Der Fall sorgte auch deshalb im September für besondere Betroffenheit aufgrund seiner möglichen Parallelen zu einem Vorfall zwei Wochen zuvor in Chemnitz. Auch dort verstarb ein Deutscher infolge eines Angriffs vonseiten mehrerer Migranten, tagelange Proteste folgten auch jenem Tötungsdelikt.


Weiterlesen:

Köthen: Wirbel um Todesfall nach Streit zwischen Deutschen und Afghanen (10.9.2018)

Deutsche Medien und Politiker nehmen Abschied vom Hausverstand (Kolumne, 11.9.2018)

Köthen: Breites Bündnis ruft zu Demonstration am Sonntag auf (13.9.2018)

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