Kultur

Michel Houellebecq: Europa begeht besondere Form des Selbstmords

Der Schriftsteller Michel Houellebecq // Foto von Stefán Bianka [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons

Der bekannte aber durchaus umstrittene französische Schriftsteller Michel Houellebecq wurde von der „Oswald Spengler Society” ausgezeichnet. Am vergangenen Freitag erhielt Houellebecq den sogenannten Oswald Spengler‐Preis. In seiner Dankesrede äußerte sich der Autor besorgt und kritisch über die Zukunft Europas.

Die Dankesrede von Houellebecq wurde von dem Historiker David Engels, Präsident der „Oswald Spengler Society” für die WELT übersetzt. Engels selbst hatte ein Buch über den Untergang Europas vorgelegt.

Selbstmord des Westens

Es ist ein besonderes Jahr, um die Auszeichnung der „Oswald Spengler Society” zu erhalten. Vor hundert Jahren erschien die Erstauflage des monumentalen Werkes „Untergang des Abendlandes”. In seiner Dankesrede für die Übergabe des Preises knüpft Houellebecq inhaltlich an Spengler an und spricht über eine „besondere Form des Selbstmords”, den Europa begehe.

In seiner ausführlichen Rede geht der Schriftsteller auf die innere Verwandtschaft zwischen den Werken von Oswald Spengler und seinen Romanen ein. Weniger stilistisch, als inhaltlich sieht er eine tiefe Verwandtschaft der Werke. Auch die Schlussfolgerungen von Oswald Spengler teile Houellebecq.

Problematisch sei für uns heute aber vor allem der Untergang der einzelnen Nationen. Sie werden von der Europäischen Union für ein inhaltsloses Konstrukt geopfert. „Innerhalb der westlichen Welt hat Europa eine besondere Form des Selbstmords ausgewählt, welche beinhaltet, die Nationen, die sie ausmachen, zu ermorden. Der Schuldige? Die Europäische Union.”

Optimistischer Appell

Der Westen befinde sich in einem fortgeschrittenen Zustand des Niederganges, so Houellebecq. Diese Feststellung sei an verschiedenen Parametern festzuhalten. Am deutlichen wir es aber wenn man die Demographie und die Religion betrachtet.

Anders als der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler äußert sich Houellebecq in seiner Rede jedoch optimistisch. Recht überraschend, da seinen Romanen zumeist eine andere Stimmung anhaftet. Der Optimismus von Houellebecq gründet sich primär auf eine „Wiederkehr des Katholizismus” in Frankreich. Diese Wiederkehr spiele sich vor allem unter der Oberfläche ab. Wahrzunehmen sei sie aber zum Beispiel an der großen Popularität bei der Demonstration gegen die „Ehe für Alle”. Auch in dem öffentlichen Diskurs würde die Bereitschaft stärker werden, für seine eigene Kultur und seinen Glauben einzustehen.

Zuletzt hat Houellebecq in seinem Roman „Unterwerfung” ein Szenario skizziert, in dem Frankreich islamisiert wird. Schließlich setzt sich auch eine islamische Partei durch. Besonders aber aufgrund der Schwäche der eigenen Kultur und Religion, wird Frankreich anfällig für äußere Kräfte. Der Roman wurde vor kurzem in einer deutschen Produktion verfilmt.

 

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