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Kultur

Spielfilm: Wie eine Tiroler Kleinstadt der Weltwirtschaftskrise trotzte

Julian Schernthaner

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am

Eine Tiroler Kleinstadt trotzte durch den innovativen Entwurf des „Schwundgeldes” im Jahr 1932 der Wirtschaftskrise. Ein Spielfilm, welcher die Geschichte des „Wunders von Wörgl” erzählt, wurde am Donnerstag in ebenjener Unterinntaler Gemeinde unter tosendem Applaus vorgestellt. 

Wörgl. – Der Film erzählt die wahre Geschichte eines per Los – niemand wollte das Amt haben – zum Bürgermeister ernannten Lokführers. Michael Unterguggenberger orientierte sich dabei an der Freigeldlehre des belgiendeutschen Finanztheoretikers Silvio Gesell. Durch die Ausgabe sogenannter „Arbeitswertscheine” erlebte die damalige Marktgemeinde mittels ihrer Komplementärwährung einen unerwarteten Aufschwung in schwierigen Zeiten.

Umlaufgesichertes Geld belebte Wirtschaft

Wie viele Orte litt Wörgl während der Wirtschaftskrise unter dem empfindlichen Rückgang seiner industriellen Produktivität. Die hohe Arbeitslosenrate leerte zusehends die Gemeindekassen, der Markt stand vor dem Bankrott. Mitte 1932 trat dann ein Wohlfahrtsausschuss zusammen, der die Ausgabe sogenannter „Notschillinge” beschloss. Zentrales Charakteristikum: der Wert des Notgeldes musste monatlich bestätigt werden. Dazu diente eine Geldmarke zu einem Prozent des Nennwertes.

Auf diese Weise war es im Interesse der Bürger, das Geld möglichst schnell in Umlauf zu bringen. Die Handeltreibenden des Ortes nahmen es als Zahlungsmittel an, sein nomineller Wert war an die Landeswährung Schilling gekoppelt und von der örtlichen Bank gedeckt. Ein Rücktausch war möglich – aber mit Strafgebühren verbunden. Unternehmer investierten im großen Stil in die Infrastruktur – das Resultat war eine fallende Arbeitslosigkeit und ein Abbau der Gemeindeschulden.

Ende des Experiments nach Gerichtsurteil

Der Erfolg der Wörgler Idee stieß weit über die Grenzen auf Anerkennung und Interesse. Hochrangige Delegierte kamen sogar aus Frankreich und den USA, um eine Umsetzung für den eigenen Staat zu prüfen. Allerdings sollte der Aufschwung des damaligen 4.000-Seelen-Marktes nicht von Dauer sein. Denn innerhalb Österreichs zog man sich auch den Zorn mächtiger Gegner zu. Historikern zufolge war etwa der damalige christlichsoziale Finanzminister – der später autoritär regierende Engelbert Dollfuß – nicht besonders angetan davon.

Die Österreichische Nationalbank legte im Folgejahr erfolgreich gerichtlichen Widerspruch gegen das Experiment ein. Sie pochte in ihrem Gesuch auf ihr alleiniges Recht zur Geldausgabe. Sowohl der Wörgler Versuch als auch allfällige Nachahmversuche wurden anschließend untersagt. Unter Androhung, andernfalls die Armee in den beschaulichen Ort zu beordern, folgte im September 1933 das jähe Ende des „Schwundgeldes”. Erst 2007 ernannte die Stadt den 1936 verstorbenen Unterguggenberger posthum zum Ehrenbürger.

Haller Altstadt als filmisches Wörgl

Interessant ist, dass das Historiendrama aber kaum in Wörgl gedreht wurde. Denn der historische Siedlungskern der seit 1951 zur Stadt erhobenen Gemeinde – mit über 13.000 Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Orte des Bundeslandes – ist nur spärlich erhalten. Deshalb wich man für die Ortskulisse in das etwa 50 Kilometer Hall in Tirol aus. Die ähnlich große Münzerstadt verfügt über die größte erhaltene mittelalterliche Altstadt Nordtirols – diese diente schon zahlreichen Filmprojekten als historische Kulisse.

Die Hauptrolle des Bürgermeisters Michael Unterguggenberger spielt mit Karl Markovics ein bekanntes Gesicht des heimischen Films . An der historischen Begebenheit fasziniert ihn laut eines ORF-Artikels, dass auch „ein Mensch einen Unterschied machen” kann. Dieser könnte „aus einer Idee eine Wirklichkeit […] schaffen, die für alle einen Vorteil bringt”. In den weiteren Hauptrollen agieren Verena Altenberger – und mit Harald Windisch auch ein Urgestein der Tiroler Theaterszene.

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Kultur

Nach Ausladung: Lisa Eckhart soll doch an Literaturwettbewerb teilnehmen dürfen

Stefan Juritz

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Die Kabarettistin Lisa Eckhart wurde vergangene Woche vom „Harbour Front Literaturfestival” ausgeladen. Jetzt soll sie aber doch auftreten.

Hamburg. – Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart soll nun doch am Literaturwettbewerb um den Klaus-Michael Kühne-Preis teilnehmen dürfen. Das „Harbour Front Literaturfestival” habe dem Verlag und dem Management von Eckhart einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, teilten die Veranstalter auf Facebook mit: „Verlag und Management haben angekündigt, sich in der kommenden Woche zu diesem Vorschlag zu äußern.”

Bedrohliche „Cancel Culture”

Eigentlich sollte die Kabarettistin im Rahmen des Wettbewerbs aus ihrem Debütroman „Omama” lesen. Doch das Veranstaltungslokal „Nochtspeicher” machte einen Rückzieher und sagte die angekündigte Lesung ab. Man habe sich außerstande gesehen, die „Sicherheit der Besucher und der Künstlerin” zu gewährleisten. „Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind”, zitierte der Spiegel aus internen E‑Mails. Man habe aus der Nachbarschaft – „im bekanntlich höchst linken Viertel” – gehört, „dass sich der Protest schon formiert”.

Gegenüber der FAZ erklärte der Mitbegründer der Literaturveranstaltung, Nikolaus Hansen: „Aufgrund der Situation, die sich um Lisa Eckhart gebildet hat, können wir den Wettbewerb, wie wir ihn vorhatten und seit zehn Jahren gestalten, leider nicht mehr machen. Mich erinnert das an Weimarer Verhältnisse. Wir weichen einer Gewalt, aber es gibt auch keinen eleganten Weg, der Gewalt nicht zu weichen.“

Mittlerweile veröffentlichten auch die Betreiber des „Nochtspeichers” eine Erklärung zur Causa. Laut Bericht der FAZ begrüße man darin, „dass die Ausladung Lisa Eckharts vom Harbour Front Literaturfestival zu einer öffentlichen Debatte führt, diese gesellschaftliche Debatte ist überaus wichtig, um der bedrohlich um sich greifenden ‚Cancel Culture’ Einhalt zu gebieten”. Es sei „alarmierend”, wenn Veranstaltungen „gesprengt oder gewaltsam verhindert werden”, betonten die Betreiber.

Debatte entfacht

Kritiker werfen der Kabarettistin vor, in ihren Stücken rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Die Ausladung vom Festival führte nun zu regen Diskussionen über Kunstfreiheit und die sogenannte „Cancel Culture”.

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Kultur

Kritik an Absage: Dieter Nuhr stellt sich hinter Lisa Eckhart

Stefan Juritz

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Die Kabarettistin Lisa Eckhart darf bei einem Literaturfestival nicht auftreten. Für ihren Kollegen Dieter Nuhr ist das ein „Skandal”. Auf Facebook zeigt er sich „fassungslos” über die Absage der Veranstalter.

Die politisch unkorrekte österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart wurde vom „Harbour Front Literaturfestival” in Hamburg ausgeladen. Die Veranstalter hatten Sicherheitsbedenken wegen möglicherweise gewalttätigen Protesten der linken Szene (Die Tagesstimme berichtete). „Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf”, kritisierte der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr daraufhin auf Facebook.

Nuhr: „Sie ist nur nicht links genug”

Seiner Ansicht nach müsse man nun „endlich” darüber diskutieren, was „Freiheit der Rede” heute noch bedeute. „Der linke und der rechte Mob wünscht sich offenbar nun eine Kunst, die linientreu den eigenen Ideologien folgt. Wer da nicht reinpasst, wird mundtot gemacht”, so Nuhr. Das „Auftrittsverbot” sei eine „klare Entscheidung” gegen die künstlerische Freiheit. Heute schrecke man selbst vor solch „totalitären Maßnahmen” nicht mehr zurück. „Dem muss entgegengesteuert werden. Die Absage macht mich fassungslos.”

Zudem verteidigte Nuhr seine Kollegin gegen Antisemitismus-Vorwürfe. „Sie steht als Künstlerin mit einer verstörenden Kunstfigur auf der Bühne, die eine Performance abliefert, die an Relevanz und Irritation nichts zu wünschen übrig lässt”, betonte er. Doch die Künstlerin Eckhart sei keine Antisemitin: „Sie ist nur nicht links genug.” Der Vorwurf des Antisemitismus sei „lediglich der perfide Versuch, eine politisch verdächtig eigenständig denkende Person zu diskreditieren”, betonte Nuhr.

Alf Poier zeigt Solidarität

Solidarisch zeigte sich indes auch der steirische Kabarettist Alf Poier. Einen Nachrichtenartikel über die Absage kommentierte er auf Facebook mit den Worten „Alles Gute Lisa!” und fügte ein Zitat aus seinem Programm „Humor im Hemd” hinzu: „Obwohl die Zeiten angeblich immer offener und toleranter werden, muss man immer mehr aufpassen, was man sagt! Früher hat man gelegentlich einen Regisseur gebraucht, wenn man auf die Bühne gegangen ist, heute braucht man einen Anwalt!”

Provokante Kabarettistin

Mit ihrem provokanten, zynischen und politisch unkorrekten Humor zählt die gebürtige Steirerin Lisa Eckhart aktuell zu den umstrittensten Kabarettisten im deutschen Sprachraum. Kritiker werfen ihr vor, in ihren Stücken rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen.

Ursprünglich hätte Eckhart am 14. September im Rahmen des „Harbour Front Literaturfestival” aus ihrem kommenden Buch „Omama” lesen sollen. Doch der Klub „Nochtspeicher”, wo die Lesung hätte stattfinden sollen, legte sich plötzlich quer. Wie interne Mails zeigen, sieht sich der Klub außerstande, die „Sicherheit der Besucher und der Künstlerin” zu gewährleisten. „Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind”, zitiert der Spiegel. Man habe aus der Nachbarschaft – „im bekanntlich höchst linken Viertel” – gehört, „dass sich der Protest schon formiert”.

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Linker Druck: Kabarettistin Lisa Eckhart von Literaturfestival ausgeladen

Stefan Juritz

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am

Die Veranstalter haben massive Sicherheitsbedenken – sie befürchten gewalttätige Proteste aus der linken Szene. 

Hamburg. – Mit ihrem provokanten, zynischen und politisch unkorrekten Humor zählt die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart aktuell zu den umstrittensten Künstlern der Szene. Vor allem linke Kritiker werfen ihr vor, in ihren Stücken rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Jetzt wurde die gebürtige Steirerin sogar vom „Harbour Front Literaturfestival” in Hamburg ausgeladen – aus Sicherheitsbedenken. Das geht aus aus internen Mails hervor, die dem Spiegel und der Welt vorliegen.

Mail-Verkehr: „Sach- und Personenschaden wahrscheinlich”

Eigentlich hätte Eckhart am 14. September im Rahmen des Festivals eine Lesung im „Nochtspeicher” halten sollen. Doch den internen Mails zufolge sieht sich der Klub außerstande, die „Sicherheit der Besucher und der Künstlerin” zu gewährleisten. „Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind”, zitiert der Spiegel aus dem Mail-Verkehr. Man habe aus der Nachbarschaft – „im bekanntlich höchst linken Viertel” – gehört, „dass sich der Protest schon formiert”.

Laut Spiegel-Bericht sei die Festivalleitung daraufhin mit der „Bitte” an Eckhart herangetreten, freiwillig auf eine Teilnahme zu verzichten. Dies habe die Kabarettistin jedoch abgelehnt.

Dieter Nuhr wegen Absage „fassungslos”

Kritik an der Absage kam kurz darauf vom deutschen Kabarettisten Dieter Nuhr. „Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf”, schrieb er auf Facebook. Man müsse nun „endlich” darüber diskutieren, was Freiheit der Rede heute noch bedeute. „Wer Lisa Eckart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem”, so Nuhr.

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