Kultur

Kulturforum Steiermark: „Der 12. November 1918 ein ‚Verfassungsfest’?”

Ao. Univ.-Prof. Dr.iur. Christian Neschwara (links im Bild) mit dem Vorsitzenden des Kulturforums Steiermark, Dr. Gerhard Kurzmann (rechts im Bild). / Foto: privat/Die Tagesstimme

Das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren markierte in weiterer Folge auch das Ende der Monarchie und damit die Entstehung der Ersten Republik in Österreich.

Graz. Am Dienstag, den 13. November 2018, fand um 19 Uhr im Grazer Landhaus ein Vortragsabend des Kulturforums Steiermark statt. Unter dem Titel „Der 12. November 1918 ein ‚Verfassungsfest’?” referierte der Außerordentliche Universitätsprofessor am Institut für Rechts‐ und Verfassungsgeschichte der Universität Wien, Dr. Christian Neschwara, über die Hintergründe der Staatswerdung der Ersten Republik nach Ende des 1. Weltkriegs. Anlass war das 100‐jährige Jubiläum der Ausrufung der Republik Deutschösterreich am 12. November 1918.

Unter den zahlreichen Gästen fanden sich auch Vertreter aus Politik und Wissenschaft. So begrüßte der Vorsitzende des Kulturforums, Dr. Gerhard Kurzmann, unter anderem den Nationalratsabgeordneten MMMag. Dr. Axel Kassegger (FPÖ) und den Grazer FPÖ‐Klubobmann GR Mag. Armin Sippel sowie Univ.-Doz. Dr. Martin Moll und Univ.-Ass. Prof. Dr. Reinhard Farkas.

Der Beginn der Republik

In seinem Vortrag zeichnete ao. Univ.-Prof. Dr. Neschwara den Übergang von der Monarchie zur Staatsgründung der Ersten Republik detailliert nach. Im Oktober 1918 herrschte unter den deutschen Abgeordneten des Reichsrates weitgehende Einigkeit über die Gründung eines eigenen Staates.  Am 21. Oktober traten schließlich die Reichsratsabgeordneten im niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse zusammen und nahmen ihre Tätigkeit auf. Zu Präsidenten der Vollversammlungen wurden dabei Franz Dinghofer (Deutschnationale), Jodok Fink (Christlichsoziale) und Karl Seitz (Sozialdemokraten) gewählt. Das Präsidium sollte die Staatsgründung vorbereiten. Offene Fragen waren unter anderem noch das endgültige Staatsgebiet, die Staatsform sowie das Verhältnis zum Deutschen Reich und zu den anderen Nachbarländern.

Als „Geburtstag” der Republik bezeichnete Neschwara dann den 30. Oktober, an dem die Provisorische Nationalversammlung den Staat Deutschösterreich beschloss hatten. Es sei eine ruhige Staatsgründung gewesen, betonte der Vortragende. Der erste Kanzler des neuen Staates wurde der Sozialdemokrat Karl Renner.

Kaiser und Reichsrat verzichten

Als am 11. November 1918 dann auch noch Kaiser Karl I. die sogenannte Verzichtserklärung abgegeben hatte, war der Weg für die demokratische Republik Deutschösterreich endgültig frei. Einen Tag später, am 12. November, trat schließlich die Provisorische Nationalversammlung im Parlament zusammen und rief die Republik Deutschösterreich aus.

Dabei kam es vor dem Parlamentsgebäude zu Tumulten, als Kommunisten die weißen Streifen der gehissten rot‐weiß‐roten Fahnen herausrissen hatten. Wie Neschwara hervorhob, kam es an diesem Tag auch zu Schüssen der Roten Garde auf das Parlament. Der Tag endete mit Dutzenden Verletzten und zwei Toten. Doch die Republik Deutschösterreich war geboren und wurde, wie Karl Renner sagte, am 12. November „getauft”.

Bilder von der Veranstaltung:

Christian Neschwara / J. Michael Rainer (Hg.): 100 JAHRE REPUBLIK ÖSTERREICH – Die Provisorische Nationalversammlung und ihre Rolle bei der Entstehung der Republik Deutschösterreich, 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Hardcover, € 30,–

Hier bestellen: https://www.ares-verlag.com/buecher/neuerscheinungen/neuerscheinung-detail/article/100-jahre-republik-oesterreich/

Wilhelm Brauneder: DIE REPUBLIK ENTSTEHT, Österreich 1918–1925, 272 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Hardcover, € 29,90

Hier bestellen: https://www.ares-verlag.com/buecher/politische-ideengeschichte/geschichte-detail/article/die-republik-entsteht/

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