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Unmut über ‚weihnachtsfreie’ Weihnachtskarte aus deutschem Kanzleramt

Bild Widmann-Mauz (2014): Olaf Kosinsky via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0 DE] (Bild zugeschnitten) / Bild Weihnachtskarte: Screenshot Twitter / Collage: Die Tagesstimme.

In Politik und sozialen Medien beschweren sich derzeit zahlreiche Menschen über eine eine Weihnachtskarte der Integrationsbeauftragten des deutschen Kanzleramts. Grund: es findet sich darin kein Wort von Weihnachten. 

Berlin. – Wie die Bild bereits am Dienstag berichtete, beinhaltet die umstrittene Großbotschaft von Annette Widmann‐Mauz zwar weihnachtliche Assoziation – nennt das Fest allerdings nicht beim Namen. Stattdessen legt die von der Pressestelle der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt offenbar Wert auf konfessionslose Glückwünsche.

Grußbotschaft zu Ramadan und Chanukkah

Im Wortlaut schreibt Widmann‐Mauz an die Empfänger: „Egal woran Sie glauben … wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr.“ Bereits das deutsche Boulevard‐Blatt thematisierte den Umstand, dass die Politikerin in anderen Fällen sehr Wohl bereit war, Feiertage namentlich zu erwähnen. In der Vergangenheit wünschte sie Muslimen einen „gesegneten und besinnlichen” Ramadan – und kürzlich Juden ebenso ein „frohes und gesegnetes Chanukkah”.

Heftige Kritik aus eigenen Reihen

Dass entsprechende Wünsche beim höchsten christlichen Fest des Jahres nicht möglich sind, erregte zunächst einmal mehrere CDU‐Parteikollegen von Widmann‐Mauz. Sylvia Pantel, Sprecher des wertkonservativen ‚Berliner Kreises’ etwa äußerte sich wie folgt:

 „Wer als Regierungsmitglied in der Weihnachtszeit eine Grußkarte mit den Worten ‚Egal woran Sie glauben‘ verschickt, muss sich fragen lassen, für welche Werte er steht und welche Bedeutung die Karte haben soll.“

Marc Henrichmann (ebenfalls CDU) ist zudem überzeugt, dass Integration nur klappen kann, wenn man „eigene Werte nicht ausblendet”. Vielmehr müsse man diese überzeugt vertreten. Die Weihnachtszeit sei für ihn nur deshalb besinnlich, weil man diese „als christliches Fest” begehe.

Entrüstung in sozialen Medien

In sozialen Medien, insbesondere auf Twitter entlud sich in der Folge der Ärger über die Grußbotschaft der Integrationsbeauftragten. Zahlreiche Personen forderten sogar den Rücktritt von Widmann‐Mauz. Auch prominente Kommentatoren übten scharfe Kritik, darunter etwa die bekannte Publizistin Birgit Kelle:

Auch ein Journalist der Neuen Zürcher Zeitung identifizierte die Botschaft als Beispiel für einen „problematischen Integrationsbegriff”, welcher das Eigene verleugne.

Vorauseilender Gehorsam gegenüber Muslimen?

Die frühere langjährige CDU‐Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, die mittlerweile als Vorsitzende der AfD‐nahen Desiderius‐Erasmus‐Stiftung fungiert, ging sogar noch weiter. Sie unterstellt Widmann‐Mauz „Unterwerfung” – vermutlich vor den Bräuchen anderer Religionen, insbesondere jener von Muslimen. Eine der wörtlichen Übersetzungen des Wortes ‚Islam’ bedeutet nämlich tatsächlich ‚Unterwerfung’.

Sogar eine türkischstämmige Journalistin kritisierte den Verzicht auf eine Erwähnung des Weihnachtsfestes:

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