Meinung

Kolumne: Als Nazi wird heute jeder beschimpft, der den Linken widerspricht

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In Deutschland wird wieder einmal mobil gemacht. Alle Bereiche der Öffentlichkeit marschieren im Gleichschritt gegen die große Gefahr: Politiker, Medien, Künstler und selbst der kleine Fussballverein vom Nachbardorf machen mit. Auch Boris Becker ist dabei, wenn es heißt: „Nazis raus!” Niemand will fehlen, denn immerhin geht es gegen… ja wen denn eigentlich? Eine Journalistin sprach aus, was sich alle denken.

Kommentar von Patrick Lenart

Was für die meisten wie ein Fall von heftiger Paranoia oder ein neues Drehbuch für Iron Sky wirkt, ist für das deutsche Establishment eine wirre Realität: Nazis, Nazis, Nazis überall. Um deren Machtergreifung verhindern, kreischen sie deshalb tagaus tagein: „Nazis raus“! Und wer besonders widerständig sein möchte, kreischt sich schon einmal in Ekstase. Sie glauben ich übertreibe? Dann sehen Sie sich einmal diesen Tweet vom Linken‐Politiker und Ministerpräsidenten Bodo Ramelow an:

Der Widerstand wächst

Je länger das Dritte Reich tot ist, umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen” – das schrieb der christlich‐konservative Journalist Johannes Gross einmal. Doch es gibt ein paar gewaltige Unterschiede zwischen damals und heute. Während der Widerstand im Dritten Reich das Leben einsetzte, riskiert der „antifaschistische Widerstand” heute höchstens Preise für Zivilcourage und Einladungen in diverse Talkshows.

Nicht ganz nebensächlich ist vielleicht auch, dass der Widerstand damals wirklich gegen das Dritte Reich kämpfte. Kein kleines Detail, wenn man bedenkt, dass das Dritte Reich mitsamt der NS‐Herrschaft vor fast 75 Jahren untergegangen ist. Heute deutet nicht einmal der Hauch einer Spur darauf hin, dass etwas Ähnliches auch nur denkbar ist. Das macht die Widerstandskämpfer‐Pose natürlich besonders angenehm.

Journalisten im Widerstand

Eine solche Widerstandskämpferin ist auch Nicole Diekmann – diejenige ZDF‐Reporterin, welche die letzte „Nazis raus“-Welle losgetreten hatte. Sie twitterte am Neujahrstag kommentarlos „Nazis raus!”. Richtig mutig, fast heldenhaft – so zumindest das einhellige Urteil der etablierten Medien. Doch für ein paar kritische Leser war das zu wenig. Sie störten den Applaus mit der unerhörten Frage, wen Diekmann denn eigentlich damit meine. Ihre Antwort: „Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt“.

Dafür hagelte es naturgemäß heftige Kritik und Empörung einfacher Bürger. Obwohl sie daraufhin erklärte, das sei doch nur ironisch zu verstehen gewesen, hatte sie mit ihrem Tweet den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie sprach aus, was sich ohnehin jeder denkt: Als Nazi wird heute jeder beschimpft, der den Linken widerspricht – insbesondere zu Migration und Integration.

Nazis überall

Glauben Sie nicht? Netterweise hat Karl Öllinger, ehem. Nationalratsabgeordneter der Grünen und Gesicht der Antifa‐Plattform „Stoppt die Rechten“, anlassbezogen eine unmissverständliche Interpretationshilfe gepostet:

Wenn Nazi wo raus müssen, dann müssen sie ergo jetzt drinnen sein. Also: Nazis in den Ministerien und im Parlament? Beim Militär, der Polizei und in der Schule? Verständlich wird dieses wirre „Nazis, Nazis, Nazis überall” nur, wenn der Begriff als besonders weit ausgelegt verstanden wird. So weit, dass er jeden Bedeutungsinhalt (insbesondere historischen) verliert und einfach auf politische Gegner angewendet wird, die den Linken nicht in den Kram passen. So macht das beispielsweise auch sein grüner Kollege Cem Özdemir, der den Bremer AfD‐Landessprecher Frank Magnitz nach einem linksextremen Angriff beschimpfte, obwohl dieser sogar noch im Krankenhaus lag:

Die Ironie an der Ironie

Wie das „Nazis raus!” zu verstehen ist, daran gibt es keinen Zweifel und auch zig andere haben dies in der aktuellen Debatte deutlich gemacht. Ein Beispiel neben vielen anderen ist die Journalistin Veronika Kracher, die den ganzen Irrsinn einfach in die Welt getippt hat. Sie hat nicht kapiert, dass die anderen aufgrund der offensichtlichen Dummheit der Beschimpfung lieber bei vagen Andeutungen bleiben oder gänzlich schweigen.

So geteilter Meinung die Linken bei der Gewaltfrage sind (Wahnsinn, dass so etwas in dem Milieu überhaupt diskutiert werden muss), so einig sind sie sich, wen sie als Nazi bezeichnen. Es ist ein stillschweigender Konsens, von dem auch Özdemir nur versteckt in einem Nebensatz Gebrauch macht.

Der Nazibegriff ist nur noch ein Mittel zur Denunziation unliebsamer Gegner – zu beteuern, ihre wahre Aussage sei ironisch, ist die eigentliche Ironie und Komik hinter den Äußerungen Diekmanns. Dass sie davon selbst überzeugt ist, beinahe tragisch.

2 Kommentare

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  • Im Mittelalter haben die Menschen auch überall den Teufel gesehen. Es gab ihn nicht, bzw. das Böse steckte in ihnen selbst.
    In der Psychologie nennt man das Projektion. Man will seine eigenen Schatten nicht wahrhaben.
    Und solche Typen sitzen im Parlament. Das wird noch richtig interessant hier.
    Mentale Rohrkrepierer regieren uns.

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