Gesellschaft

Vorwurf gegen Patzelt: Politikwissenschafter „exponiert sich politisch zu stark”

Bild: Politikwissenschafter Werner Patzelt / Metropolico.org [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Politikwissenschafter Werner Patzelt wird ab April nicht mehr für die TU Dresden tätig sein. Sein Antrag auf eine Seniorprofessur wurde nicht unterstützt. Kritisiert wurde, dass er sich „so stark politisch exponiert”.

Dresden. Nachdem ihm der Dekan der Technischen Universität Dresden mitgeteilt hatte, dass sein Antrag auf eine Seniorprofessur nicht unterstützt werde, bezog der Politikwissenschafter Werner Patzelt in einer Videobotschaft Stellung. Darin nennt er auch Gründe, die seiner Meinung nach dazu geführt haben, dass er ab April nicht mehr für die Universität tätig sein und weiterforschen kann. Wie die Lokalpresse berichtet, hatte Patzelt sich unter anderem als Experte für die AfD und die Pegida einen Namen gemacht. Lutz Hagen, Prodekan der Philosophischen Fakultät erklärte gegenüber MDR Aktuell, dass viele an der Fakultät es kritisch sehen, „dass Herr Patzelt sich so stark politisch exponiert.”

Rollen auf „unzulässig Weise miteinander vermengt”

Patzelt selbst geht auf die Gründe, die seiner Meinung nach dazu geführt haben, dass er die Seniorprofessur nicht erhält, in einer Videobotschaft auf Facebook ein. Darin erklärt er, dass sein Angebot, als Forschungsprofessor weiterhin Forschungsgelder für die Universität zu lukrieren und mit der Publikation von Forschungsergebnissen bundesweit den Namen der TU Dresden sichtbar zu machen, nicht angenommen wurde. „Ein Grund dafür war der Vorwurf, ich hätte in den vergangenen Jahren meine Rolle als politisch aktiver Bürger und meine Rolle als Politkanalytiker und Politikwissenschaftler auf unzulässige Weise miteinander vermengt. Gerade so, als ob sich für einen Medizinprofessor nicht gehören würde Kranke zu behandeln oder es unanständig wäre, wenn ein Musikprofessor öffentlich musizieren würde.”

Patzelt: Kritik anscheinend „unerwünscht”

Ein zweiter Vorwurf der Universität sei, dass er Universitätsleitung und Landeswissenschaftsministerin in der Debatte um die Gründung eines Universitätsinstituts öffentlich kritisiert habe. Der Darstellung der Universität habe er damit „gegen das Mäßigungsverbot verstoßen”, dem er als Professor unterliege. Patzelt merkt in der Videobotschaft an, dass Kritik anscheinend unerwünscht sei. Dabei würden die Wissenschaft und die Demokratie doch beide von Kritik leben.

Er hat außerdem Kritik an seiner früheren Tätigkeit als Gutachter für die AfD zurückgewiesen. Er habe zwar mehrere Referate für den „Realo‐Flügel” der AfD gehalten und Gutachten geschrieben, aber seine Botschaft an die AfD sei immer sehr klar gewesen: „Trennt euch von Rassisten und Antisemiten, haltet euch und eure Anhänger vom Extremismus fern, macht euch keine falschen Vorstellungen von direkter Demokratie – und übt eure Oppositionsrolle gemäß den Spielregeln parlamentarischer Demokratie aus.“ Er wüsste nicht, „was an solchen Ratschlägen kritikwürdig sein sollte“, so Patzelt gegenüber der WELT.

Patzelt will präsent bleiben

Der Politikwissenschafter werde aber auch weiterhin wissenschaftlich präsent sein. Demnächst soll auch ein Buch über politische Bildung in Demokratien erscheinen. „Und natürlich werde ich weiterhin öffentlich als Analytiker des politischen Geschehens und als ein Bürger präsent bleiben, der dafür zu sorgen hofft, dass die staatstragenden demokratischen Parteien bei den Wahlen dieses Jahres besser abschneiden, als derzeit so mancher befürchtet oder gar hofft”, so Patzelt abschließend.

 

1 Kommentar

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  • Herr Patzelt möchte also dafür sorgen, dass die „staatstragenden” Parteien besser abschneiden als befürchtet oder erhofft.

    Hoffentlich sehen diese ihn zum Dank künftig nicht nur noch als nützlichen Idioten.

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