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Österreich

Identitären-Verbot: Strache rudert zurück, Kurz bekräftigt Vorhaben

Stefan Juritz

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Bundeskanzler Kurz hat ein Auflösungsverfahren gegen die Identitären in Aussicht gestellt. Davon distanziert sich nun die FPÖ.

Wien. – Am Mittwoch sorgte Österreichs Bundesregierung mit der Ankündigung, ein Auflösungsverfahren gegen die Identitäre Bewegung einleiten zu wollen, für großes mediales Aufsehen. Zuvor war bekannt geworden, dass der mutmaßliche Christchurch-Attentäter Anfang 2018 – also ein Jahr vor seiner Schreckenstat – 1.500 Euro an Identitären-Chef Martin Sellner gespendet hatte.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte daraufhin umgehend an, mit der „vollen Härte des Gesetzes“ vorgehen zu wollen. Man habe nämlich „keine Toleranz für gefährliche Ideologien, ganz gleich aus welcher Ecke“, so Kurz.

FPÖ distanziert sich

Am Freitag ruderte Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) jedoch zurück. Laut Bericht der ZIB1 distanzierte sich die FPÖ vom Vorstoß des Bundeskanzlers. Es sei nur eine Initiative von Kurz gewesen, die von Vizekanzler Strache nicht unterstützt werde.

„Der Bundeskanzler hat im Ministerratsfoyer von einer Prüfung zur Auflösung gesprochen. Das waren nicht meine Worte, das waren die Worte des Herrn Bundeskanzlers. Ich habe gesagt, ich verlange volle Aufklärung“ so Strache am Freitag. Zuerst müsse man prüfen, was an den Vorwürfen gegen die Identitären dran ist. Und er stellte auch klar: „Aufgrund der Spende eines Irren wird keine Auflösung eines Vereins möglich sein.“

Kurz will Verbot, „wenn rechtlich möglich“

Im Gegensatz dazu bekräftige Bundeskanzler Kurz noch einmal seine Forderung nach einem Identitären-Verbot, „wenn es rechtlich möglich ist“. Im Interview mit der Tageszeitung Österreich sagte Kurz: „Für mich gibt es absolut keine Kompromisse und null Toleranz bei jeder Art von Radikalismus, egal ob rechtsextrem oder islamistisch. Wenn bei den Ermittlungen strafrechtliche Übertretungen festgestellt werden, dann braucht es natürlich Konsequenzen und die Auflösung des Vereins. Jetzt sind die unabhängige Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden am Zug!“

Identitäre weisen Vorwürfe zurück

Bei den Identitären zeigt man sich betont gelassen. „Denn wie schon in der Vergangenheit werden sich auch diesmal alle Vorwürfe als unwahr erweisen“, heißt es in einer Aussendung am Mittwoch (Die Tagesstimme berichtete). Zu keinem Zeitpunkt habe es irgendwelche Verbindungen zum Christchurch-Attentäter gegeben.

„Wir Identitären haben jedenfalls keine Angst vor der Überprüfung. Wir haben nichts zu verbergen und sind uns sicher, dass unser Protest im Rahmen von Verfassung und Meinungsfreiheit ist. Wir sind kooperativ und werden mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, damit die Vorwürfe rasch und restlos aufgeklärt und zurückgewiesen werden können“, so die Identitären in ihrer Aussendung.

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3 Comments

3 Comments

  1. Avatar

    Peter Lüdin

    31. März 2019 at 12:52

    Es geht um die Aufklärung eines Terroranschläge mit unzähligen Toten. In diesem Zusammenhang untersuchen die Behörden in diversen Ländern die Reiseroute, mögliche Verbindungen und Treffen und wer gegebenenfalls darin verwickelt war. Der Attentäter war nachweislich längere Zeit in Österreich. Nun stellt sich heraus, dass dieser der Identitären Bewegung (IB) Geld gespendet hat. Weshalb, genau das muss ermittelt werden. Der Attentäter hat nicht aus heiterem Himmel der IB gespendet, sondern er hatte eine Motivation. Die Aufklärung des Attentats ist wichtig und auch das Ausleuchten möglicher Verbindungen und Motive. Der IB ist hier lediglich eine von vielen Spuren.

    • Avatar

      Patrick

      31. März 2019 at 13:47

      Nur hat das halt nichts mit der Forderung nach einer IB-Auflösung zu tun.

  2. Avatar

    Carolus

    1. April 2019 at 14:39

    Ich meine, die IBÖ wurde vom Grazer Staatsanwalt und dessen Gefolgsleuten im BVT und DÖW wohl genug durchleuchtet und inkriminiert, ohne dass sich gerechtfertigte Anhaltspunkte für strafbares Verhalten ergeben hätten. Dass Strache nicht sofort den Identitären die Stange gehalten hat, wird ihm wohl etliche Stimmen kosten.

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