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Kultur

Aprilscherze: Wenn einen die Welt zum Narren hält

Julian Schernthaner

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am

Haben uns entschlossen, seriös zu bleiben: Viel näher, als Euch einen falschen Wochentag zu servieren, kommen wir diesmal nicht. Symbolbild: Pixabay [CC0] (leichte Bearbeitung)

Alljährlich zum 1. April hoffen wir, dass uns diesmal keine Freunde „in den April schicken”. Welche Wurzeln hat der Brauch, dem sich mittlerweile sogar große Unternehmen anschließen, eigentlich?

Es ist der eine Tag im Jahr, wo man sich sicher sein kann: Mindestens eine Meldung in den meisten großen Zeitungen ist eine Ente, die aufgrund ihrer Absurdität nicht allzu schwer als solche zu entlarven ist. So behauptete der Standard im Jahr 2002 etwa, dass die beiden bitter rivalisierenden Wiener Fußballclubs Austria und Rapid zur Folgesaison fusionieren würden. In Großbritannien wird auf diese Art einmal im Jahr zum Schein der Rechtsverkehr eingeführt.

Durch europäische Auswanderer auch nach Amerika

Zweifelsfrei belegt ist die Tradition des Aprilscherzes erstmals im Jahr 1618 – in der Redensart „in den April schicken”, und zwar in Bayern. Früher waren vor allem Dienstboten und Lehrlinge die Leidtragenden des Schabernacks. Den Fantasien für Streiche an diesem Tag sind keine Grenzen gesetzt. Aufgelöst wird der Ulk meist mit den Worten „April, April!”

Durch die zunehmende Verbreitung des Brauches kam dieser mit europäischen Auswanderern auch nach Amerika – und dient insbesondere für die großen Technologiekonzerne als Steilauflage, unhandliche, vermeintliche Veränderungen für Nutzer ihrer Plattform anzukündigen – welche dann selbstredend nicht eintreten.

Unklare Herkunft des Brauches

Woher der Brauch kommt, dazu gibt es die unterschiedlichsten Theorien. Sie reichen von jahreszeitlichen Erklärungen wie dem als wankelmütig geltenden Aprilwetter bis hin zu historischen Begebenheiten. Letztere verlegen den Ursprung bisweilen in verschiedenste europäische Länder.

Eine Variante sieht etwa das Ausbleiben einer vom Augsburger Reichstag für den 1. April 1530 geplanten Münzreform und den folgenden Spott über Spekulanten als Ausgang. Eine schlecht kommunizierte französische Kalenderreform im Jahr 1564 oder eine vernichtende Niederlage der Spanier in den Niederlanden 1572 gelten als ebenso plausibel.

Möglicher Ursprung in der Antike

Eine theologische Herangehensweise liefert unterdessen Manfred Becker-Huberti, ehemaliger Pressesprecher des Erzbistums Köln (1991–2006). Er erinnert an Vorstellungen von besonders unglücklichen Tagen bereits in der Antike – und liefert einen Beleg, dass dies auch für den Aprilbeginn der Fall gewesen sein soll.

Oft näher an der Realität als beabsichtigt

Das erste Vorkommen eines Aprilscherzes in einer Zeitung datiert übrigens bereits auf das Jahr 1774. Der Inhalt damals: Man könne Hühner dazu bringen, bereits farbige Ostereier zu legen – indem man die Umgebung entsprechend anstreiche. Auch sie selbst könne man in verschiedenen Farben züchten – mittlerweile freilich längst Realität.

In Einzelfällen können Aprilscherze – insbesondere medialer Natur – sogar die Realität direkt beeinflussen. Eine humoröse Erwähnung eines Stadionausbaus in Basel für die Fußball-EM 2008 im Radio nahm der dortige Fußballclub zum Auftrag – in der Folge kam es tatsächlich zu einer Aufstockung um über 10.000 Sitze.

Warum kein Tagesstimme-Aprilscherz?

Trotz des hohen Alters des medialen Scherzes haben wir uns dennoch entschieden darauf zu verzichten – manche tatsächlichen Schlagzeilen im Laufe eines Jahres sind bereits absurd genug. Unter den diesbezüglichen Vorschlägen innerhalb der Redaktion rangierte die Schlagzeile „Wegen Identitären-Kontakten: FPÖ prüft Selbstauflösung” allerdings ziemlich weit oben.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Sebastian

    3. April 2019 at 4:21

    Ich finde es erbaulich und ein gutes Zeichen der Zeit, daß nicht mehr jede römische Torheit unüberlegt von den Menschen übernommen wird.

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Kultur

US-Forscherin hält SpongeBob für rassistisch und kolonialistisch

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

ASDF 'SpongeBob' ist dermaßen beliebt, dass es mittlerweile jede Menge Franchise-Artikel gibt - sogar Frühstücksflocken. Symbolbild: Mike Mozart via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

Eine amerikanische Anthropologin ist der Ansicht, dass die Rahmenhandlung der beliebten Zeichentrickserie SpongeBob außerdem dazu geeignet sei, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”.

Seattle. - Wie der britische Independent berichtet, unterstellt Holly Barker, eine Anthropologin der University of Washington, der Kinderserie SpongeBob Schwammkopf, rassistische Ressentiments zu schüren. Das seit zwanzig Jahren erfolgreiche Programm spiele „eine Rolle, die Aneignung indigener Länder durch koloniale Siedler zu normalisieren”. Dies geschehe vor dem Hintergrund, dass „das angestammte Bikini-Volk in seiner nicht-fiktionalen Heimat ausgelöscht wurde”.

Forscherin: SpongeBob verharmlost US-Kernwaffentests

Barkers Vorwürfe im Fachmagazin The Contemporary Pacific beziehen sich auf den Heimatort von SpongeBob namens Bikini Bottom. Dort lebt der freundliche Schwamm in einer Ananas unter dem Meer. Dieser Ort ist nach Ansicht der Forscherin dem Bikini-Atoll auf den Marshall-Inseln nachempfunden. Dort kam es 1946 zu großen Umsiedelungen, da die US-Armee die Insel als Testgebiet für Kernwaffentests vorsah.

Dadurch dass SpongeBob ein amerikanischer Charakter sei, sei die Cartoon-Figur verantwortlich dafür, „gewalttätige amerikanische Militäreinsätze zu verharmlosen”. Der Schwamm lebe in einem Gebiet lebe, welches Einheimische hätten verlassen müssen. Dies zeige sein Privileg, sich „keine Gedanken über die Detonation von Atombomben machen zu müssen”.

Serie bedient angeblich rassistische Stereotypen

Problematisch sieht Barker neben einem angeblichen Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern außerdem, dass Charaktere der Serie sich die kulturellen Eigenheiten pazifischer Kulturen aneignen. Dies zeige sich durch das Tragen von Hawaiihemden, das Vorkommen von monumentalen Köpfen wie auf der Osterinsel, Häusern in Ananasform oder Klänge von Steel-Gitarren. Damit würden Stereotype der Region bedient.

Der Ansicht Barkers zufolge bringen diese Referenzen den Kindern eine Ideologie bei welche es in Ordnung findet, dass ein „US-Charakter wie Spongebob […] im Heimatland eines anderen Volkes” wohne. Dabei solle man sich angesichts einer „Hamburger-liebenden amerikanischen Gemeinschaft”, welche die „Bikini-Lagune besetzt” unwohl fühlen. Dies untergrabe nämlich „jeden Aspekt kultureller Souveranität”.

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Kultur

Peter Handke gewinnt Literaturnobelpreis

Julian Schernthaner

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ASDF Symbolbild (Schwedische Akademie in Stockholm): Mastad via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Fünfzehn Jahre nach der Kür der umstrittenen Autorin Elfriede Jelinek hat Österreich mit Peter Handke zum zweiten Mal einen Literaturnobelpreisträger.

Stockholm. – Die mit Spannung erwartete Doppelverleihung für die Jahre 2018 und 2019 endet dem ORF zufolge mit einem österreichischen Preisträger für das aktuelle Jahr: Peter Handke. Für das Vorjahr – damals wurde die Verleihung nach Skandalen im dafür zuständigen Komitee ausgesetzt – geht die Auszeichnung an die Polin Olga Tokarczuk.

Einflussreiches Werk” mit „sprachlicher Genialität”

Die Schwedische Akademie verlieh Handke den mit neun Millionen schwedischen Kronen (830.000 Euro) dotierten Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“. Zur Überreichung kommt es allerdings erst am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, Alfred Nobel.

Handke wurde 1942 in Griffen geboren und begann 1964 während eines später abgebrochen Jusstudiums in Graz mit der Schriftstellerei, sein Erstlingswerk „Die Hornissen” erschien 1966. Mit einem Schlag berühmt wurde der Querdenker, als er noch vor dessen Auslieferung in Princeton bei der „Gruppe 47” eine angriffige Schmährede gegen den damaligen Zustand der Literatur und Literaturkritik hielt. Im selben Jahr begeisterte sein neues Sprechstück „Publikumsbeschimpfung” die Theaterkritiker.

Handke: Vielfach preisgekrönter Querdenker

Seitdem ist Handke aus der Literaturwelt nicht mehr wegzudenken. Obwohl er sich niemals an den Protesten der 68er beteiligte und einigen ihrer Akteure sogar abwartend gegenüber stand, schwang seine fundamentale Kritik am etablierten Literaturbetrieb und seine neuartige Weise, per ‚Sprachkritik verschiedene Literaturformen zu bespielen, in deren einstiger gegenkultureller Aufbruchstimmung mit. Seine Kritik an der Studentenbewegung verschaffte ihm dabei gleichzeitig den Ruf eines Konservativen.

Seine Charaktere sind unterdessen oftmals Verlorene, die sich in den zeitpolitischen Wirren ihrer Zeit wiederfinden – Außenseiter und Verkannte mit einem gewissen zeitgemäßen ‚Verve’. Auch als Mensch war ihm die öffentliche Meinung oft egal – seine mehrfache Parteinahme für Serbien gegen die Mainstream-Ansicht der 90er-Jahre sowie seine Sympathien für serbische Rechtsparteien sorgten im Kulturbereich für Kontroversen, ohne aber seine Beliebtheit zu schmälern.

Über 20 heimische Preisträger – nur zwei in Literatur

Der vielfache preisgekrönte Handke ist der zweiundzwanzigste im weiteren Sinn österreichische Nobelpreisträger in sämtlichen sechs Kategorien – aber erst der zweite in der Literatursparte nach Elfriede Jelinek im Jahr 2004. Die Mehrheit der Preisträger erhielt ihre Ehrung in einem der drei naturwissenschaftlichen Felder (Medizin, Physik, Chemie).

Dazu kommen zwei heimische Friedensnobelpreisträger – beide allerdings über hundert Jahre her (Bertha von Suttner 1905, Alfred Fried 1911). Einmal (Friedrich von Hayek 1974) konnte ein Österreicher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erringen. Zuletzt war im Jahr 2013 ein Forscher mit einem Österreichbezug – der 1938 emigrierte, gebürtige Wiener Martin Karplus für Chemie – unter den Prämierten.

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Kultur

Lange Nacht der Museen: Fast 390.000 Besucher beim 20. Jubiläum

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild: Hannes Sallmutter [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Die „Lange Nacht der Museen” zog auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende Kulturliebhaber an.

Von Samstag auf Sonntag fand bereits zum 20. Mal die vom ORF initiierte „Lange Nacht der Museen” statt. In ganz Österreich und in Teilen von Slowenien, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland präsentierten rund 730 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen ihre Sammlungen und Ausstellungen, wie der ORF in einer Aussendung mitteilte.

Der größte Besuchermagnet war wenig überraschend Wien (189.032), gefolgt von der Steiermark (42.368) und Kärnten (39.362).

Albertina war größter Besuchermagnet

Die meistbesuchten Museen in den österreichischen Bundesländern im Überblick:

  • Burgenland: Schloss Esterházy (1.075)
  • Kärnten: Stadtgalerie Klagenfurt (4.535)
  • Niederösterreich: Nostalgiewelt Eggenburg (903)
  • Oberösterreich: Ars Electronica Center (1.479)
  • Salzburg: DomQuartier Salzburg (3.947)
  • Steiermark: Schloss Eggenberg, Prunkräume, Universalmuseum Joanneum (6.468)
  • Tirol: Kaiserliche Hofburg (3.358)
  • Vorarlberg: Kunsthaus Bregenz (1.346)
  • Wien: Albertina (16.575)

Wrabetz: „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”

Zum Jubiläum sprach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz von einem „Publikumserfolg, auf den wir stolz sein können”. Darüber hinaus bedankte sich Wrabetz bei allen Kultureinrichtungen, Sponsoren und Partnern, „die jedes Jahr einen großen Beitrag zum Erfolg dieser Initiative leisten”.

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