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Gesellschaft

Ex-WDR-Intendant warnt vor mangelnder Meinungsvielfalt

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

Hpschaefer http://www.reserv-art.de [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Der frühere Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, sieht die Meinungsvielfalt in Deutschland in Gefahr. Im Interview mit dem Handelsblatt warnt er vor einer „homogenen Berichterstattung” in den Medien.

In vielen wichtigen Fragen beobachte ich eine homogene Berichterstattung. Alle marschieren in eine Richtung, nicht selten im Einklang mit der vorherrschenden Meinungen in der Politik”, sagte Pleitgen, dieser diese Entwicklung für „bedenklich” hält, dem Handelsblatt.

Der schleichende Tod der Demokratie”

Als Beispiele nennt der 81-Jährige im Interview Themen wie Griechenland, Lokführer-Streik, Russland, Brexit und Trump. Die „homogene Berichterstattung”, wie man sie hier erlebe, sei „der schleichende Tod der Demokratie”, warnt Pleitgen.

Fast wehmütig erinnert sich der Journalist hingegen an Zeiten zurück, in denen es noch mehr Richtungsstreit gegeben habe: „Zum Beispiel bei der Ostpolitik. Da hatten wir klare Fronten. Auf der einen Seite die Springer-Presse, auf der anderen Seite Augstein, Nannen und Dönhoff. In dieser Zeit war unsere Bevölkerung in einer sehr kultivierten Weise politisiert. Wie nie wieder.”

Meinungsvielfalt darf nicht verloren gehen”

Pleitgen kritisiert allerdings nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen, sondern äußert sich auch zur Debattenkultur in den sozialen Medien: „Mich besorgt, wie schnell und wirkungsvoll über das Internet bösartig Stimmung gemacht wird. Dies gefährdet den inneren Frieden.” Dagegen helfe am wirkungsvollsten „guter Journalismus”, der seriöse Information und Orientierung biete.

Ein Problem sieht Pleitgen jedoch darin, wenn Zeitungen und Rundfunk „aus Sparzwängen Redaktionen ausdünnen”, dies schwäche die Leistungsfähigkeit. „Guter Journalismus muss bei Kräften sein, um üblen Attacken wie der ‚Lügenpresse’-Kampagne zu widerstehen. Die Meinungsvielfalt darf nicht verloren gehen”, fordert der ehemalige Präsident der Europäischen Rundfunkunion (EBU).

Als zentralen Punkt sieht Pleitgen hier die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, über die man wieder stärker sprechen müsse. „Es kommt auf das Programm an. Darüber sollte mehr geredet und gestritten werden als über Geld.”

Das gesamte Handelsblatt-Interview lesen: Fritz Pleitgen: „Die Meinungsvielfalt gerät in Gefahr“


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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    11. Juli 2019 at 13:04

    Unglaublich welche Leute sich zum Grabgesang auf die Bühne wagen.
    Werkzeuge der Totengräber der Demokratie nochmal hervorgeholt.

  2. Avatar

    Rainer Seifert

    11. Juli 2019 at 17:46

    Neuestes Beispiel unfairer bis lügenbehafteter Berichterstattung. Bayern 1 heute nachmittag. Mit offensichtlicher Genugtuung kam die Meldung: Identitäre als rechtsradikal eingestuft. Dazu der verlogene Hinweis, es gab Kontakte zum Christchurch Attentäter.

    Hätten die vorab wirklich beiderseitig bestanden würde das allein die Einstufung auch noch nicht rechtfertigen. Kein Mensch kann nämlich wissen, ob ein anderer einen derartige Tat begehen will, außer, er äußert sich entsprechend. Soll ja bei Islamisten schon das ein oder andere Mal so gewesen sein.

    Hier wird aber allein die Spende des Mörders auf Martin Sellners Konto verwertet. Hätte Sellner das nun etwa wissen müssen und das Geld zurückweisen? Wenn nun ein Islamist, bevor er Terroranschläge begeht, den NGOs Geld überweist, wären die dann etwa auch mitschuldig.

    Hier liegt wieder mal ein tolles Beispiel für falsche Berichterstattung vor. Da man die Tatsachen bei einer so großen Redaktion als bekannt vraussetzen darf, nenne ich das auch verlogene Berichterstattung.

    Ähnlich läuft das bei gewissen Politikern ab. Neulich sagte der neue Generalsekretär der CDU: Im Bundestag gibt es nur eine Partei, die den Klimawandel ablehnt. Nee, den gab es bekanntlich schon über Jahrmillionen, liebes Paulchen. Dem „menschengemachten” verweigert die AfD die Zustimmung. Und hierfür treten inzwischen auch immer mehr nahmhafte Wissenschaftler ein. Unterstützt aber ihr ruhig weiter die Schulschwänzer. Die Blamage ist euch sicher.

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Gesellschaft

Heimatliebe ist kein Verbrechen”: Identitäre hissen Riesenbanner in Steyr

Julian Schernthaner

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am

ASDF Bild: Telegram-Kanal "Identitäre Bewegung Oberösterreich".

Mit einem weithin sichtbaren Transparent reagierte die Identitäre Bewegung (IBÖ) in Oberösterreich auf die gegenwärtigen Debatten rund um ein mögliches Verbot ihrer Vereine und Symbole.

Steyr. – Es ist Samstagabend in der drittgrößten Stadt Oberösterreichs. Plötzlich erhellt sich die Dunkelheit: Es sind circa 25 patriotische Aktivisten der Identitären, welche mit einem 20 Meter langen und zwei Meter hohen Banner an der Zwischenbrücke in der Nähe des dortigen Stadtplatzes Aufstellung nehmen. Ihre Botschaft ist dabei so deutlich wie einprägsam: „Heimatliebe ist kein Verbrechen”.

Heimatliebe „kein Verbrechen, sondern Lebensaufgabe”

In ihrem Telegram-Kanal nehmen die Aktivisten Stellung zur Motivation für die symbolträchtige Aktion. Man wolle der Öffentlichkeit zeigen, dass sich „Heimatliebe weder verbieten noch kriminalisieren” lasse. Seinen Antrieb nehme man nämlich nicht aus einer „nebulösen Ideologie”, sondern aus dem „Idealismus”, den eigenen Kindern „das Feuer unserer Bräuche und Sitten in einer intakten Heimat weitergeben zu können”.

Der identitäre Aktionismus sei stets friedlich und lasse sich „nicht heute, nicht morgen mundtot machen”. An diesem Umstand würden weder „ständige mediale Hetzkampagnen” noch „alberne Versuche, für politisches Kleingeld 150 Jahre alte Grundrechte” wie die Vereinsfreiheit „mit chirurgischer Präzision für Patrioten beschneiden” zu wollen, etwas ändern. Denn: Heimatliebe sei „eine Lebensaufgabe”, kein Verbrechen.

Identitäre: ÖVP will Symbole und Vereine verbieten

Damit bekunden die oberösterreichischen Identitären zum wiederholten Mal aktionistisch ihren Standpunkt zur aktuellen Debatte. Bereits als die ÖVP ein Verbot der programmatisch gewaltfreien Gruppe im Vormonat zur „Koalitionsbedingung” erklärte, sperrten sie in Schärding das dortige ÖVP-Bezirksbüro mit einem Baustellengitter, um vermeintliche „totalitäre Tendenzen” der Volkspartei anzusprechen.

Erst am heutigen Sonntag bekräftigte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer die türkisen Pläne eines Identitären-Verbots anlässlich neuer Enthüllungen über kolportierte Verbindungen zwischen FPÖ-Politikern und den Identitären. Kickls Ex-Kabinettchef Reinhard Teufel kritisierte in diesem Zusammenhang die Weitergabe von Ermittlungsakten an Zeitungen als „Grundproblem” des Verfassungschutzes – Die Tagesstimme berichtete.

IBOÖ-Landesleiter: Leben in Zeiten „willkürlicher Repression”

Von der Tagesstimme darauf angesprochen, bestätigte Roland Moritz, der Leiter der oberösterreichischen Identitären, dass auch der wiederholte Durchstich von BVT-Informationen an die Presse ein Problem darstelle. Man lebe in „Zeiten der willkürlichen Repression und des Versagens des Rechtsstaates”, wenn der Verfassungsschutz Ermittlungsunterlagen als „verlängerter Arm der Medien” im Wahlkampf an die Öffentlichkeit spiele.

Gleichzeitig herrsche ein Klima, welches „Grundrechte von unbescholtenen Patrioten beschneiden” wolle. Offenbar gehe es darum, jeden zu kriminalisieren, der „den Bevölkerungsaustausch anspricht”. Als Identitäre gehe man dennoch weiterhin auf die Straße, um symbolisch zu erklären, dass „friedlicher patriotischer Aktivismus erlaubt sein” müsse.

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Gesellschaft

Wort zum Sonntag: Wer glaubt, lebt länger

Gastautor

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ASDF Symbolbild (CC0)

Studien belegen: Je häufiger der Gang in die Kirche, umso länger das Leben. Der regelmäßige Besuch von Gottesdiensten scheint mit zusätzlichen Lebensjahren belohnt zu werden. Er schützt vor kardiovaskulären Erkrankungen als auch vor Krebs.

Kolumne von Raphanus

Forscher fanden heraus, dass regelmäßige Kirchgänger 27 Prozent geringer von kardiovaskulär bedingten und 21 Prozent geringer von krebsverursachten Todesfällen betroffen sind. Gleichzeitig wiesen sie aber bei Menschen, die nichts von Gottesdiensten hielten, eine höhere Sterberate nach (hier zum Bericht der Ärzte Zeitung).

Religiöse Beteiligung und Lebensdauer

Eine andere Studie zum selben Thema kam zum Ergebnis, dass religiöse Menschen um 5,64 Jahre länger als Nichtgläubige lebten. Der Forscher Baldwin Way ist sich sicher: „Die Studie liefert überzeugende Beweise, dass es eine Beziehung zwischen religiöser Beteiligung und der Lebensdauer eines Menschen gibt.“

Wissenschaftler vermuten, dass der starke Zusammenhalt in religiösen Gemeinschaften die psychosoziale Resilienz erhöht und einen günstigen Einfluss auf die Lebensweise ausübt, da stark gesundheitsschädliches Verhalten bei frommen Menschen eher weniger zu erwarten sei.

Theologe sieht Studien kritisch

Der katholische Theologe Manfred Lütz hält aber nichts von Studien, wonach religiöse und betende Menschen länger leben. „Stellen Sie sich vor, bei der Studie wäre herausgekommen, wer betet, lebt kürzer. Würden Sie dann nicht mehr beten?“, so seine Frage, bei der er gleichzeitig vor einem Trend der „Gesundheit als Religion“ warnte.

Ob Beten zum längeren oder zum kürzeren Leben führt, sei völlig egal“, so der Theologe. „Wir sind nicht Christen, weil wir gesund sein wollen, sondern beten, um unsere Beziehung zu Gott erhalten“. Lütz wies weiter darauf hin, dass Jesus bereits mit 33 Jahren am Kreuz gestorben ist. „Das war nicht besonders gesund.“

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Gesellschaft

Nach Urteil im Fall Künast: Juristinnenbund zeigt sich empört

Joshua Hahn

Veröffentlicht

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ASDF Bild (Renate Künast 2013): Stephan Röhl / Heinrich-Böll-Stiftung via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Der Juristinnenbund fordert einen verbesserten Schutz für Frauen im Internet.

Berlin. – Unlängst entschied das Landgericht Berlin, dass die Politikerin der Grünen, Renate Künast, diverse Beschimpfungen auf Facebook hinnehmen muss. Im Internet empörten sich viele Privatpersonen sowie Politiker über das Urteil, nun schaltet sich auch der Juristinnenbund ein.

Meinungsäußerungen legitim

Vor einigen Tagen entschied das Landgericht in Berlin, dass Renate Künast einige Beschimpfungen unter bestimmten Umständen hinnehmen muss. Sie wurde auf Facebook von einem Kommentator unter anderem als „altes grünes Drecksschwein“ bezeichnet, worauf die Politikerin vor Gericht zog, um an die personenbezogenen Daten des Users zu kommen. Dies berichtete der „Spiegel“.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass der User einen Link zu einem Artikel kommentierte, in welchem die Frage aufgeworfen wurde, ob Künast im Jahr 1986 sexuelle Handlungen mit Minderjährigen bagatellisierte. Von verschiedenen Seiten kam umgehend Kritik am Urteil auf.

Juristinnenbund empört

Der Deutsche Juristinnenbund (DJB) zeigte sich empört über das Gerichtsurteil. Die DJB-Präsidentin Maria Wersig erklärte laut „n‑tv“: „Wir brauchen eine zügige Weiterentwicklung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“. Es käme zu häufig vor, dass sich Frauen, welche sich öffentlich äußerten, von einer „zum Teil organisierten Meute attackiert“ würden. 

Es dürfe nicht passieren, dass Frauen im Netz dazu gezwungen werden, den öffentlichen Diskurs zu meiden. Künast selbst erklärte, das Urteil, wonach die Kommentare „haarscharf an der Grenze des von der Antragstellerin noch Hinnehmbaren“ seien, anfechten zu wollen.

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