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Wirtschaft

Nach umstrittenem Werbespot: Gillette schreibt Milliardenverluste

Julian Schernthaner

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Procter & Gamble, Mutterkonzern der Marke Gillette teilte mit, dass die Rasiermarke im vergangenen Quartal etwa 8 Milliarden Dollar an Verlust einstecken musste.

Cincinnati. – Wie die Washington Times bereits am Mittwoch berichteten, fällt die auf viel Kritik gestoßene Kampagne mit herben Einbußen für die Marke „Gillette“ zusammen. Dort hatte man versucht, Rollenbilder und Klischees zu hinterfragen, und Männer zum Nachdenken über vermeintliche „toxische Männlichkeit“ einzuladen – Die Tagesstimme berichtete.

Marketing-Kampagne wird zum Eigentor

Nun stellt sich heraus, dass diese Marketingkampagne möglicherweise zu einem noch größeren Eigentor werden könnte, als bisher angenommen. Bereits unmittelbar nach Erscheinen des umstrittenen Videos „We Believe: The Best Men Can Be“ kündigten zahlreiche Männer weltweit über den Affront auf, die Marke boykottieren zu wollen.

Schlussendlich wurde die Werbeschaltung zu einer der fatalsten in der Geschichte des Videoportals YouTube: Bis heute drückten etwa 1,5 Millionen Menschen auf den „Gefällt mir nicht“-Knopf. Was folgten, waren außerdem zahlreiche Parodien. Ein Uhrenhersteller nützte die Gelegenheit und brachte einige Argumente der Männerrechtsbewegung in einen eigenen Werbespot ein.

Mutterkonzern weist auf veränderte Marktsituation hin

Procter & Gamble wiederum führte die Abschreibungen insbesondere auf Währungsabwertung und eine veränderte Marktsituation zurück. Der Markt für Rasierklingen und Rasierapparate sei laut Kurier kleiner, da sich Menschen seltener rasieren würden – und die Konkurrenz billiger Anbieter steigend sei.

Dass der Konzern insgesamt mit einem Plus aussteigen kann, liegt demnach vor allem an einem wachsenden Absatz bei seinen Gesundheitsprodukten. Procter & Gamble vertreibt insgesamt eine breite Palette an Konsumgütern für den täglichen Gebrauch, darunter auch Pampers-Windeln und Ariel-Waschmittel.

Gillette-CEO: „Preis, den zu zahlen sich lohnt“

Am Donnerstag räumte Gary Coombe, der CEO von Gillette letztendlich gegenüber Marketing Week eine Verbindung zur misslungenen Kampagne ein. Die Verärgerung einiger über das veränderte Image der Marke sei allerdings ein „Preis, den zu zahlen sich lohnt“. Man habe sich erhofft, besonders beim jüngeren Publikum mit der Neupositionierung punkten zu können. Zuvor hatte man feststellen müssen, dass die Marke nach beinahe 200 Jahren vor allem bei jüngeren Kunden zusehends ihren Appeal verlor.

Allerdings musste Coombe zugeben, dass die Strategie dazu geführt hatte „auch die Verbindung zur Generation der ‚Millenials‘ zu verlieren.“ Prinzipiell stehe Gillette dem Washington Examiner zufolge aber weiter dafür, dass man riskieren müsse, eine „kleine Minderheit zu verärgern“, wenn es darum gehe, die Beliebtheit heutiger Marken bei den Menschen zu steigern.


Weiterlesen:

Männlichkeit: Uhrenhersteller kontert umstrittenen Gillette‐Werbespot (22.1.2019)

Gillette: Kritischer Werbespot über Männlichkeit wird zum Eigentor (17.1.2019)

4 Comments

4 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    2. August 2019 at 16:20

    Richtig so; kaufe auch keine Rasierer mehr.

  2. Avatar

    Rainer Seifert

    2. August 2019 at 17:03

    Jeder so wie er es verdient. Als Gillette um 1990 die deutsche Edelmarke Braun (Rasierer und Hifi) übernahm, wurden zumindest in der Berliner Niederlassung Nähe Kurfürstendamm alle Mitarbeiter gekündigt. Vermutlich ging es weit mehr Beschäftigten so.

    Da mein Arbeitsplatz im Nebenhaus war und wir ein sehr gutes Verhältnis zu den Angestellten hatten, haben wir das aus erster Hand erfahren.

    • Avatar

      Martin

      10. August 2019 at 15:55

      Das war 1967, zu P&G ging es 2006

  3. Avatar

    Kaisers

    25. Dezember 2020 at 1:32

    „da sich Menschen seltener rasieren würden“
    2019 waren die Städte weltweit nur voller vollbärtiger Männer. Ich habe keinen rasierten Mann gesehen. Was für ein Schwachsinn!
    Nach dem ich die Werbung gesehen habe, habe ich alles was ich von dem männerverachtenden Konzern besitze entsorgt. Menschenverachtung aufgrund von genetischer Merkmale geht mal gar nicht. Den Fehler haben die Nationalsozialisten schon einmal gemacht. Warum wiederholt dieser Konzern die Ideologie „Menschen aufgrund ihrer Genetik zuverachten“?
    Danach habe ich mich dann nach Alternativen informiert. Ich wusste vorher gar nicht was ein Rasierhobel ist und wie viel besser der eigentlich ist. Und ja, die Rasierklingen dazu sind spottbillig und viel schärfer. Meine Rasur ist viel gründlicher mit Rasierhobel und Rasierklingen.
    Andere Männer haben das auch erkannt. Wir rasieren uns nicht weniger. Nur unterstützen wir Männer keine Menschenverachtung. Interessant, das wir auf youtube mal 3 Millionen dislikes hatten und die jetzt auf 1.6 Millionen reduziert wurden. In den Kommentaren wird sich beschwert, das man ihre Dislikes entfernt hat. Absolut widerlich dieser Konzern.
    Naja, jetzt habe ichs ja hinter mir. Ich unterstütze diese Menschenverachtung nicht mehr.
    Ein guter Hinweis vom Autor war, das es ja noch mehr Produkte von diesem Konzern gibt. Ein Anlass auch dort nach Alternativen zu suchen.

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