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Gesellschaft

Durchsichtig”: Burschenschaften kritisieren Aufregung um Liederbücher

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Das beanstandete Lied - einschließlich der fragwürdigen Zeilen - kam auch bei Liederbüchern der katholischen Verbindungen vor. Symbolbild: privat.

In der aktuellen Debatte rund um das Auftauchen eines potenziell missverständlichen Spottliedes im Liederbuch einer steirischen Mittelschulverbindung erheben nun die Burschenschaften des Bundeslandes ihre kritische Stimme.

Graz. – Es schien wie eine Kopie der Liederbuch-Affäre aus dem Jänner 2018. Wieder geriet wenige Wochen vor einer Landtagswahl ein Liederbuch mit vermeintlich zweifelhaften Texten aus der Schülerverbindung eines FPÖ-Politikers an die Öffentlichkeit. Wieder handelte es sich – wenn auch um eine andere Strophe – um das Spottlied „Es lagen die alten Germanen”. Diesmal in einem Liederbuch, welches offenbar beim Pennalen Corps Austria zu Knittelfeld auflag. Zu dessen Mitglieder gehört auch der FPÖ-Politiker Wolfgang Zanger.

Mitbewerber forderten Zanger-Rücktritt

Nach Bekanntwerden schossen sich alle übrigen Parteien auf eben diesen ein. So forderten etwa Ewa Ernst-Dziedzic (Grüne) und Karl Nehammer (ÖVP) umgehende Konsequenzen und einen Rücktritt Zangers. Auch die SPÖ und die NEOS forderten den freiheitlichen Parteichef Norbert Hofer auf, von seinem im September erlangten ‚Durchgriffsrecht’ Gebrauch zu machen und Zanger umgehend aus der Partei auszuschließen.

Dann nahm der Fall eine Wende – denn plötzlich wurde öffentlich, dass exakt dieselbe Strophe sich früher auch im Liederbuch des katholischen Mittelschüler-Kartellverbands (MKV) befand. Somit auch bei der Mittelschulverbindung des steirischen ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhofer, welcher kurioserweise zuvor FPÖ-Landeschef Mario Kunasek aufforderte, wegen des Liederbuches zu handeln.

Burschenschaften: „Historischen Zusammenhang sehen”

Daraufhin hoben die steirischen Burschenschaften in einer Aussendung hervor, dass das fragwürdige Lied „in einem historischen Zusammenhang zu sehen” sei. Denn beim Lied handle es sich um eine Persiflage auf die ‚Deutschtümelei’. Sie seien „längst abgelegter Teil der studentischen Geschichte und befänden sich weder bei den steirischen Burschenschaften noch den dortigen Corps im aktuellen Liedgut.

Und ich hoffe, beim MKV ist es ebenso,“ so Wolfgang Auf, Sprecher der steirischen Korporationen. Es sei freilich nicht auszuschließen, dass man auch in Zukunft mit diesem Teil der Vergangenheit konfrontiert werde. Diesem müsse man sich „schlicht stellen” – was aber nicht nur Burschenschaften beträfe.

Skandalisierung „durchsichtig”

Dass man aus der Causa einen Skandal machen wolle, sei hingegen „durchsichtig”. Die Lieder selbst seien „historisch aus der Entstehungszeit zu beurteilen”. Dies gelte sowohl im eigenen Milieu als auch beim ÖVP-nahen MKV. Deutschnationale Verbindungen hätten ihre Archive jedenfalls bereits nach der ursprünglichen Liederbuch-Affäre in Niederösterreich durchforstet.

Die Partei selbst sieht der „Krone” zufolge einen politisch motivierten Versuch, ihr kurz vor einer wichtigen Landtagswahl zu schaden – auch in Analogie zur einstigen Situation in Niederösterreich im Vorjahr. In einer eigenen Aussendung warnt sie angesichts des Auftauchens auch bei katholischen Verbindungen davor, „mit zweierlei Maß” zu messen. Zanger wiederum sah keinen Grund sich zu distanzieren. Er habe das Liederbuch von einer Grazer Burschenschaft einst lediglich geschenkt bekommen.

Germania-Affäre: Studie wies Kampagnencharakter nach

Politische Motivation für einen Skandal – zu dieser Feststellung kam der AK Nautilus, zu dem auch die Tagesstimme gehört, bereits im Februar in einer »Studie« zur früheren Liederbuch-Affäre rund um Udo Landbauer und die pB! Germania zu Wiener Neustadt. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass es zu massenhaft „Vorverurteilungen und willkürliche Einordnungen durch politische Gegner, teilweise unter dem Deckmantel einer Expertenmeinung” gekommen sei.

Diese seien geeignet gewesen, die „öffentliche Meinungsbildung über die FPÖ, über Udo Landbauer sowie über das burschenschaftliche Milieu in seiner Gesamtheit nachhaltig negativ zu beeinflussen.” Ablauf und Inhalt der Affäre würden den Schluss nahelegen, dass maßgebliche Akteure nicht vom Willen zur Aufarbeitung oder journalistischer Berichterstattung, denn zu einer „Kampagne gegen die FPÖ auf Kosten der Burschenschaften am Vorabend der niederösterreichischen Wahl getrieben waren”.

Die alten Germanen”: Keine Rezeption im dritten Reich

Die Studie hinterfragte damals auch unklare oder fehlende Definitionen auf sämtliche erhobenen Vorwürfe und analysierte auch die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte der beanstandeten Lieder im Detail. Beim damals – und erneut ‑zentral thematisierten Lied „(Es lagen) die alten Germanen” handle es sich um ein Lied, dessen Urversion auf das 19. Jahrhundert zurückgehe – wenn auch nicht mit dem heutigen Text.

Dieser entstand den Erhebungen der Studienautoren zufolge nämlich erst 1939/40 „im Untergrund unter Studenten ehemaliger, damals aufgelöster katholischer Studentenverbindungen”. Auch würden für eine Verwendung des Liedes von Akteuren des Dritten Reichs sämtliche Belege fehlen. Im Gegenteil sei sogar eine zeitgenössische Alternativversion bekannt, welche sich dediziert gegen hochrangige Nationalsozialisten richtete.


Die Studie des „AK Nautilus” zur Liederbuch-Affäre in Niederösterreich finden Sie »hier«.

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Gesellschaft

Deutschland: Erntehelfer aus Osteuropa dürfen teilweise doch einreisen

Joshua Hahn

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Die Bundesregierung hat die Bestimmungen für die Saisonarbeit während der Corona-Krise zumindest teilweise gelockert.

Berlin. – Wie unter anderem „rbb24“ berichtet, haben sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) darauf verständigt, dass insgesamt 40.000 Osteuropäer zur Hilfe bei der Ernte einreisen dürfen – unter strengen Bedingungen. So dürfen diese nur arbeiten, wenn sie einer Gesundheitsprüfung einwilligen. Außerdem dürfen sie nur in Gruppen und per Flugzeug in die Bundesrepublik einreisen. Nach ihrer Ankunft müssen die Helfer für 14 Tage getrennt von anderen Gruppen arbeiten und werden weitestgehend isoliert.

Migranten mit Flüchtlingsstatus sollen ebenfalls helfen

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat außerdem beschlossen, dass in Deutschland lebende Migranten mit Flüchtlingsstatus ebenfalls bei der anstehenden Ernte helfen sollen, um den Mangel an Arbeitern zu kompensieren: „Wir wollen diese Flüchtlinge in Arbeit bringen – Arbeit dient der Integration“, erklärte Agrarminister Peter Hauk.

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer zeigte sich laut Bericht der „Welt“ ob dieser Forderung wenig begeistert. Da die genannte Gruppe sozialversicherungspflichtig sei, hätten die rumänischen Arbeiter klare Priorität. Sollten diese nicht ausreichen, könnten beispielsweise Studenten, Schüler und Hausfrauen aushelfen.

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Gesellschaft

Merkel: „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“

Joshua Hahn

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Angesichts der aktuellen Situation hat die Bundesregierung beschlossen, die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus bis nach Ostern zu verlängern. Die Bundeskanzlerin forderte außerdem die Bevölkerung dazu auf, auf Familienbesuche zu verzichten.

Berlin. – Laut Bericht der „Tagesschau“ gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder bekannt, dass die Maßnahmen bis mindestens zum 19. April gültig seien. Insbesondere in Bezug auf die anstehenden Feiertage richtete die Kanzlerin den dringenden Appell an die Bürger, auf Familienbesuche zu verzichten: „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“.

 „Weit entfernt“ von Zielen

Merkel zufolge sei man „weit davon entfernt“, die vorgesehenen Ziele bei der Bekämpfung des Coronavirus zu erreichen. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Maßnahmen auch nach der aktuellen Frist fortbestehen müssten. Aktuell zumindest sei eine Lockerung der Maßnahmen „bei weitem“ nicht denkbar.

Laut Bericht der „Bild“ bestätigte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) diese Tendenz und warnte vor „voreiligen Exit-Debatten“ – trotz dem teils positiven Trend in Deutschland. Bislang sind in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern trotz teilweise hoher Zahlen von Erkrankten vergleichsweise wenige Patienten an Covid-19 verstorben.

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Gesellschaft

Grazer Volkskundemuseum sucht Objekte aus dem Corona-Alltag

Monika Šimić

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Das Volkskundemuseum möchte den aktuellen Umgang mit der Pandemie dokumentieren und die verschiedensten Objekte sammeln, die den Alltag in Zeiten von Corona sichtbar machen.

Graz. – Dass die Corona-Krise Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hat, merkt man schon an der von diesem Thema dominierten medialen Berichterstattung. Weil der Einfluss so groß ist, hat sich das Grazer Volkskundemuseum dazu entschlossen, seine Dauerausstellung neu zu konzipieren. Das Museum will nun Dokumente und Objekte sammeln, die den Alltag in Zeiten des Coronavirus sichtbar machen.

Notizen, Tagebücher, Fotos

Corona erfordert von uns allen neues Alltagshandeln und auch Strategien, mit dieser schwierigen und sich tagtäglich ändernden Situation zurechtzukommen. Das Volkskundemuseum möchte den aktuellen Umgang mit der Pandemie dokumentieren und sammelt deshalb Notizen und Objekte, die den Alltag in Zeiten von Corona sichtbar machen”, beschreibt Kuratiorin Birgit Johler den Aufruf. Es sei ein wichtiges Anliegen, auch Veränderungen und Einschnitte in die Gesellschaft zu dokumentieren, wie es auf der Website des Volkskundemuseums heißt. Gesucht werden daher die unterschiedlichsten Dinge, die den neuen Alltag der Menschen wiederspiegeln. Laut Beschreibung auf der Website fällt eine Aufmunterung für Mitbewohner ebenso darunter wie ein Zeichen nachbarschaftlicher Unterstützung, eine Dankesbekundung für geleistete Hilfe, ein Tagebuch oder Auszüge davon, ein Foto von getroffenen Schutzmaßnahmen in der Arbeit oder ein Familienvideo an die Großeltern.

Jeder kann mitmachen

Auch wenn das Museum seit 7. Jänner geschlossen hat, schlafen die für die neue Ausstellung Verantwortlichen nicht. Man baue bereits um und eröffne im Frühjar 2021, heißt es auf der Seite weiter. Themenbereiche der Ausstellung sollen zunehmender Wohlstand, steigender Konsum, Herkunft, Veränderungen in der Arbeitswelt, Mobilität und Migration (in die und aus der Steiermark), Umwelt, Gegenkultur und Gegentrends oder etwa „richtig wichtig ‚Steirisches” sein.

Wer dem Museum Objekte für die „Corona-Ausstellung” zur Verfügung stellen möchte, kann über ein Webformular Kontakt mit dem dafür zuständigen Mitarbeiter aufnehmen und dabei auch gleich Objektvorschläge einreichen. Hier geht’s zum Formular!

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