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Meinung

Instrumentalisierung in Hanau: Totalitäre Träume kommen wieder in Mode

Julian Schernthaner

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Nach dem fürchterlichen Amoklauf im hessischen Hanau bleiben viele Fragen offen. Nur in einem sind sich die Etablierten offenbar einig: Jeder, der auch nur ansatzweise rechts der Mitte steht, hat quasi mitgeschossen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Eigentlich kommt es nicht überraschend. Dieselben Charaktere, welche bei jedem islamistischen Anschlag zur Besonnenheit aufrufen und das Mantra des „psychisch verwirrten Einzeltäter“ beten, sind nun auf den Plan gerufen, wenn wirklich einmal ein offenbar isolierter Irrer um sich ballert und ein paranoides Weltbild mit fremdenfeindlichem Einschlag besitzt. Sie instrumentalisieren, was das Zeug hält und lassen ihren Gelüsten und Wünschen freien Lauf, mit welchen Kanonen man nun auf die einzige wirkliche Opposition im Bundestag schießen möge.

Hanau: Alle beschuldigen die AfD

Sie glauben, werter Leser, ich übertreibe? Mitnichten. Dabei ist es egal, wie hanebüchen die Vorwürfe sind. Politiker verklären die AfD wieder einmal zum „politische[n] Arm des Rechtsterrorismus“ (Midyatli, SPD) oder zumindest des „Hasses“ (Özdemir, Grüne). Für Ulle Jelpke, Mandatarin der mehrfach umbenannten und heute als ‚Die Linke‘ agierenden SED ist sie gar „Stichwortgeber für solche rassistisch motivierten Terroranschläge“.

Das geht so weit, dass Konstantin Kuhle von der FDP – also jener Partei, die für die Empörten neuerdings auch eine Art braune Kloake ist, seitdem sich ihr Kandidaten von den „Falschen“ wählen ließ, behauptet, das Manifest des irren Schützen von Hanau lese sich wie eine Rede von Gottfried Curio. Bei aller Polemik des wortgewaltigen Berliners AfD-Politikers: ich kann weißgott keine Parallelen erkennen.

SPD-Rennen um die verrückteste Äußerung

Beinahe am weitesten aus dem Fenster lehnten sich in diesen Stunden und Tagen aber schon jede Menge roter Genossen, wohl im Kampf um billiges politisches Kleingeld, wenn sonst alles im Argen liegt. Für Generalsekretär Lars Klingbeil hat die AfD in Hanau „munitioniert“. Und Karl Lauterbach aus dem äußersten Westen der Republik sieht in den Vertretern der Partei gleich „potenzielle Terroristen„.

Den absoluten Vogel schießt aber wieder einmal Ralf Stegner ab, das etwas fahle Nordlicht der Richtung Einstelligkeit trudelnden Sozialdemokratie. Er fordert ein Ende des „Lügenmärchens von Einzeltätern“. Das Netz sei „voll von rechtem Hass, Rassismus und Intoleranz“. PEGIDA, Reichsbürger, AfD, Identitäre & Co. würden die Gesellschaft „vergiften“. Freilich agiert auch er mit zweierlei Maß, wie ein Twitter-Nutzer aufzeigt:

Totalitärer Ruf nach dem Verfassungsschutz

Aber die ganze Sache wäre ja geschenkt, wenn der Deutsche in Form seiner gewählten Vertretern nicht wieder den historisch ausgeprägten Hang zum Totalitarismus ausleben ließe. Und damit meine ich jetzt keine verträumten bayerischen Könige, die sich aus Haushaltsgeldern Traumschlösser bauen. Sondern all jene Apparatschiks, welche aus der Geschichte wirklich nichts gelernt haben und Andersdenkende wieder einmal ausmerzen wollen.

So will etwa Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Vorsitz, das „Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in die Gesellschaft getragen“ würde. Christian Lindner, Parteichef der vermeintlich Liberalen, will den Verfassungsschutz einschalten, ähnlich der bereits erwähnte Lars Klingbeil (SPD). Und Ruprecht Polenz (CDU) macht sich selbst alle Ehre und bemüht mal wieder Reichskanzler Wirth im Jahr 1921. Nur der Komplettheit halber: der Satz fiel erst im Juni 1922.

Auch Medien beschwören die Ausgrenzung

Wahrlich komplett wäre das Bild freilich nicht ohne die vierte Macht im Staat. Es ist ein medialer Mainstream, der den Eindruck macht, als wäre er in Deutschland längst kein Korrektiv für die Mächtigen mehr, sondern deren verlängertes Sprachrohr. So schießt Spiegel-Miteigentümer Augstein einfach einmal gegen unbotmäßige Konkurrenz, kanzelt auch sie als vermeintliche „Wegbereiter der Gewalt“ ab.

Tiefe Einblicke bietet auch ein Pressespiegel des linksliberalen Standard. Er zitiert Journalisten, die einen nebulösen „Kampf gegen den Rassismus“ führen wollen. In Sportvereinen und den Kirchen, in Jugendgruppen und Schulen, in Bürgerinitiativen und Betrieben müsse man angebliche „Rassisten“ ausgrenzen. Andere fordern die Aufrechterhaltung eines „Sperrgürtels zur Isolierung der AfD und ihresgleichen“ fordern. Im Jahr 2020 ist es also wieder schick geworden, Abweichler vollständig zu ächten.

Kein Indiz für Vernetzung

In Wirklichkeit deutet derzeit absolut kein Indiz daraufhin, dass der Täter von Hanau irgendwie vernetzt gewesen wäre. Erst recht nicht, dass ein seit offenbar seit 20 Jahren abstruse Verschwörungstheorien verbreitender Mann durch eine Partei radikalisiert worden wäre, die erst seit sieben Jahren existiert. Er war auch so Ich-bezogen, dass er sich auf keine Parteien, Gruppen, Autoren oder Ideologien beruft, die ihn inspiriert haben könnten.

Wenn überhaupt hätten die Behörden jemanden, der sich mit seinen wirren Ideen selbst einst beim Generalbundesanwalt meldete, besser am Radar haben müssen. In der Realität verschwinden dann aber auch so kleine Details wie Tötung der eigenen Mutter knapp vor der Selbstrichtung, welche eher auf einen Amoklauf als einen politischen Anschlag deuten. Im ominösen „Kampf gegen rechts“ ist eben alles erlaubt – wen kümmern da ein paar unscharfe Begriffe?


Weiterlesen:

Hanau: Gauland (AfD) weist Schuldvorwürfe zurück (21.2.2020)

Hanau: Elf Tote nach Schüssen – Ermittlungen wegen Terrorverdachts (20.2.2020)

6 Comments

6 Comments

  1. Avatar

    Klasube

    21. Februar 2020 at 20:12

    Selten wurde und wird deutlicher, wie in der Politik der etablierten Parteien und ihrer medialen Sprachrohre wieder mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Und selten wurde deutlicher, wie jedes Mittel recht ist – auch und gerade die Benutzung dieses schrecklichen Ereignisses mit seinen Todesopfern – gegen die einzige wirkliche Oppositionspartei vorzugehen.
    Rechtsextremistischer Terrorakt? Mitnichten! Selten war klarer, dass es sich hier um die furchtbare Tat eines seit Jahrzehnten völlig Durchgeknallten handelt. Keinerlei Vernetzung mit rechten Gruppierungen und erst recht nicht zur AfD (die gab es damals noch gar nicht), die jetzt den Täter „aufmunitioniert“ hat.
    Während die islamistischen Mörder und Vergewaltiger alle „Einzeltäter“ waren und man deren Umfeld keinesfalls stigmatisieren darf, ist in dem Fall Hanau ein rechtsradikaler, rassistischer Terrorist dem Schoß der ebenso rechtsradikalen AfD entsprungen.
    So schlimm und bedauerlich diese schreckliche Tat ist, so schlimm sind die erbärmlichen Versuche der etablierten Parteien, dieses Pferd vor ihren Karren zu spannen.
    Jeder, der auch nur halbwegs klar denken kann, muss dieses schmutzige Spiel durchschauen und sich der einzigen Alternative in Deutschland zuwenden…!

  2. Avatar

    Heimatvertriebener

    22. Februar 2020 at 0:25

    Bei Markus Lanz war gestern neben einigen bekannten Probanden auch eine Psychotherapeutin, die den Mörder ganz klar als schizophren einordnete. Dass von den anderen Anwesenden die AfD wieder die gewohnten Breitseiten erhielt, war schon vorab klar.
    Dieses mal könnte der Schuss -oder besser Trugschluss – aber auch nach hinten losgehen. Im Umfeld des Täters kann ja seine Erkrankung kaum unbemerkt geblieben sein. Und vermutlich wird sich die Journaille nun auch auf Hintergründe aus seinem Umfeld stürzen. Erhöhte Auflage garantiert.
    Wenn die Staatsgewalt sich damit rühmt, Besitzer von Waffen kontuniierlich zu überprüfen, dann dürfte wohl eher auf deren Seite eine gehörige Portion Mitschuld an den Verbrechen liegen.
    Nun erfahren wir obendrein, dass der Mörder bereits Anfang November 2019 sein Pamphlet des Wahnsinns dem Generalbundesanwalt zusandte. Sicher kann dieser vermutlich nicht all solch wirrem Zeug nachgehen. Eine Überprüfung der Person, bei der auch die Erlaubnis zum Erwerb von Schusswaffen ans Licht gekommen wäre, hätte aber erfolgen sollen. Oder waren etwa die Fahnder schon zu sehr mit Überwachung von Teilen der AfD beschäftigt? Dann müsste man natürlich Verständnis für ein solch schweres Versäumnis aufbringen.
    Der Vater des Täters soll ja den Grünen nahestehen. Welch großes Glück, dass er nichts mit der AfD zu tun hat. Und hoffentlich hat der Mörder der AfD nicht auch schon mal 10€ als Parteispende zukommen lassen, das wäre ja ihr sicherer Untergang.
    Wer einmal einen solchen kranken Menschen in der Nähe erlebt hat, weiß wovon ich rede. Eine Kollegin von mir machte mir schöne Augen. Ich ging nicht wie gewünscht darauf ein, also beschwerte sie sich bei Vorgesetzten, ich würde sie belästigen. Die Krönung: Von einem RA erhielt ich einen Brief, ich hätte versucht, sie in mein Auto zu zerren. Klar, ist halt so meine Art. Das Schlimme, sie glaubte das wirklich. Keine Ahnung in welch wirren Traum ich ihr da begegnete.
    Richtig ist, dass ich sie vor der ganzen Geschichte öfter nach Dienstschluss im Auto mitgenommen habe, weil es auf meinem Weg lag, was ja wohl ganz normal ist – und sie war nicht immer die Einzige.
    Zudem habe ich sie einmal mit Kleinmöbeln von Höffi nach Hause gefahren, damit sie die Kosten für die Lieferung spart. Ihr den Tisch noch zusammengeschraubt und die Pappen mitgenommen in unseren großen Container. Auf meine Frage nach einem Stück Schnur, weil mir sonst alles auseinanderfällt, versah sie die Verpackung mit einem roten Band. Man hat ja auch sonst nichts im Haus.
    Dazu sagen muss ich aber auch noch, wie erschreckend blind Menschen mitunter sind, um gewisse Symptome und Worte als völlig unnormal zu erkennen. Was man nicht kennt und was nicht sein dürfte, das will der menschliche Verstand mitunter wohl auch nicht wahrhaben.

  3. Avatar

    Heimatvertriebener

    22. Februar 2020 at 0:37

    Was hat der ehemalige Reichskanzler Wirth dann eigentlich 1933 gesagt, als seine Zentrumspartei auch für Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte? Unter deren Abgeordneten befand sich auch der spätere erste Dundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuß.
    Danach ging es ja mit dem braunen Terror erst so richtig los. Wären die Kommunisten dagegen an die Macht gekommen, hätte Stalin schon damals seinen ganzen Einfluss über Osteuropa bis nach Deutschland ausdehnen können. Wer an ein deutlich besseres Ende glaubt, muss eingefleischter Kommunist sein, oder er hat keine Ahnung von den nicht minder schweren Verbrechen Stalins gegen der eigene Bevölkerung.

  4. Avatar

    Widerstand.

    22. Februar 2020 at 9:52

    Das Interessante an solchen Situationen ist, dass man DIE WAHRE FRATZE DES SYTEMS ERAHNEN KANN. Man kann sie auf keinen Fall ganz sehen, aber sie schimmert ein bisschen durch. Dann verschwindet sie wieder hinter der Normalität, aber wir verlassen ja immer mehr die Normalität, daher könnte sie noch deutlicher zutage treten.
    WIDERSTAND.

  5. Avatar

    Erich

    24. Februar 2020 at 17:23

    Bitte beachtet auch den
    Offenen Brief an Generalbundesanwalt von Dipl. Psychiater Prof. Dr. Wolfgang Meins   
                https://www.achgut.com/artikel/offener_brief_an_den_generalbundesanwalt_dr._peter_franke_zum_attentat_von_                                            
       Web Archiv
              
         http://archive.is/TSHdh

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