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Kultur

Oscars: „Bester Film“ muss künftig Diversity-Richtlinien erfüllen

Julian Schernthaner

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Die von der Academy for Motion Picture Arts and Sciences bekanntgegebene Oscars-Neuerung wirft nicht nur bei Kritikern einige Fragen auf.

Los Angeles. – Was sich wie ein weitaus verfrühter Aprilscherz anhört, wird in der „Fabrik der Träume“ jetzt Realität. Denn aus Hoffnung, für mehr „Inklusion und Diversität“ zu sorgen, will man die Kriterien für eine Nominierung in der wichtigsten Kategorie „Bester Film“ verschärfen. Ab 2024 muss ein Film für eine Berücksichtigung in der Hauptkategorie zumindest zwei der vier „Vielfalts-Standards“ erfüllen.

Oscars: Team und Darsteller sollen möglichst „divers“ sein

„Standard A“ betrifft die Besetzung, hier stehen drei Optionen zur Verfügung. So ist eine mögliche Erfüllung eines Kriteriums, dass ein zentraler Darsteller einer ethnischen Minderheit angehört – etwa ein Asiate, ein Schwarzer oder ein Latino ist. Ebenso möglich ist, wenn 30 Prozent der Nebendarsteller einer dieser Gruppen angehören – oder weiblich, behindert oder homosexuell sind. Alternativ kann der Haupterzählungsstrang ein diese Gruppen betreffendes Thema aufgreifen.

„Standard B“ betrifft das Team, wo bei im leitenden kreativen Bereich zumindest zwei Personen einer solchen „unterrepräsentierten Gruppe“ angehören müssen, wobei eine Person aus einer ethnischen Minderheit stammen muss. Alternativ müssen insgesamt sechs andere Stellen im kreativen Bereich derart besetzt sein. Die dritte Variante ist, dass insgesamt mehr als 30 Prozent der Crew weiblich, behindert oder homosexuell sind oder einer ethnischen Minderheit angehören.

Auch Produktionsfirmen, Vertrieb und Financiers im Visier

Allerdings lässt dann „Standard C“ bereits etwas Stirnrunzeln entstehen. Hier müssen beide Kriterien erfüllt sein. Die Firmen in der Finanzierung und im Vertrieb eines Films will man dadurch binden, dass die größeren Unternehmen laufende Job-Programme für „unterrepräsentierte“ Gruppen haben – und zwingendermaßen für ethnische Minderheiten und in den meisten Sparten, bei kleineren Firmen reichen bereits zwei Lehrlinge oder bezahlten Praktikanten, wobei einer einer Minderheit angehören muss. Dies muss zudem auch für nicht-klassische Marketingbereiche gelten.

Zuletzt richtet sich dann „Standard D“ an das Studio und das Zielpublikum. So muss das Filmstudio mehrere Frauen, ethnische Minderheiten, Leute aus der LGBTIQ+-Szene oder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung beschäftigen – und zwar auf der Führungsebene. Hier gibt es kein alternatives Erfüllungskriterium.

Wiegt Identitätspolitik schwerer als inhaltliche Qualität?

Kritiker bemängeln unterdessen, dass die Qualität eines Films als wichtigstes Kriterium immer weiter in den Hintergrund treten könnte. Sie befürchten, dass Identitätspolitik und eine inhaltliche Anbiederung an den Zeitgeist stattfinden würde – das heißt, noch mehr als bereits derzeit. Die Academy wiederum versteht die Kritik nicht: Es gehe darum die „diverse, globale Weltbevölkerung bei der Schaffung von Filmen und das Publikum widerzuspiegeln“, das sich damit verbinde.

Diverse Klassiker der Filmgeschichte hätten somit keine Chance auf eine Auszeichnung in der Hauptkategorie gehabt. Während Ben Hur (1959) und Titanic (1997) wohl um die wichtigsten ihrer elf Auszeichnungen umgefallen wären, hätte vielleicht ausgerechnet die Homosexualität von Gandalf-Darsteller IanMcKellen dem ebenso zahlreich prämierten Film Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003) die Oscar-Chance bewahrt. Unklar ist generell, wie Diversitätskriterien zumindest im Darsteller-Bereich bei Biopics, Roman- oder Historienverfilmungen eingehalten werden können.

Der Welt zufolge hätten mehrere Nominierte der jüngeren Vergangenheit keine Chance für eine Nennung mehr. Darunter befänden sich mit The Irishman, Le Mans 1966 und Once Upon a Time … in Hollywood gleich drei der diesjährigen Vorschläge.

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