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Gesellschaft

Wien: Kampf um das Lueger-Denkmal geht in die nächste Runde

Julian Schernthaner

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Die Debatte rund um die Beibehaltung des Karl-Lueger-Denkmals in Wien ist um eine Facette reicher. Denn nachdem eine linksgerichtete Künstlergruppe sich daran austobte, entschieden sich patriotische Aktivisten, diese Markierung wieder rückgängig zu machen.

Wien. – Seitdem im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste eine weltweite Diskussion über die Zeitmäßigkeit tradierter Gedenkkultur entbrannte, befindet sich die Statue zu Ehren des ehemaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger (amtierte 1897-1910) im Visier linksgerichteter Vandalen und Akteure. Nachdem es bereits mehrfach zum Ziel von Farbattacken wurde, brachte eine „Künstlergruppe“ nun das Wort „Schande“ mehrfach in gold besprühten Betonlettern am Sockel an und kündigte eine „Schandwache“ an, die eine Entfernung der künstlerischen Schmierage verhindern will.

Kunst-Uni stellt sich hinter Umgestaltung

Ursprünglich hätte die Stadt Wien das ungebetene Graffiti bis zum Freitag von der Statue entfernen wollen. Einige Personen der Kunstszene stellten sich hinter die Guerilla-Aktion der „Künstler“, darunter auch der Rektor der Akademie der Bildenden Künste, Johan Hartle. Er stellte sich laut Standard „demonstrativ“ hinter die Aktion, die er als „Einladung zur Diskussion“ verstehen will.

Offenbar kommt das Künstlerkollektiv auch aus dem Umkreis der Kunst-Hochschule. Denn dieses gruppiert sich offenbar rund um Eduard Freudmann, der an der „Akademie“ lehrt und erst im Juli im lachsrosa Blatt in einem Gastkommentar die Entfernung des Lueger-Denkmals forderte. Laut dem Medium beteiligte sich auch die Schriftstellerin Marleene Streeruwitz. Diese sieht in der Statue für einen der wichtigsten Bauherren der Stadt jedenfalls ein „Operettendenkmal“.

Rechte Aktivisten entfernen Beton-Graffiti umgehend

Doch auch mit dieser „Umgestaltung“ war noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn patriotische Aktivisten machten sich in der Folge ans Werk, um diese goldenen Betonlettern mit Hammer und Meißel wieder herunterzuklopfen. Der Blog „Widerstand in Bewegung“, der aktivistische Handlungen aus dem rechten Spektrum dokumentiert, sprach von einer „spontanen Aktion“, mit der man die „Schändung des Lueger-Denkmals durch linksextreme Vandalen“ rückgängig machen wolle.

Standard-Journalist sieht Letter-Entfernung als „Zerstörung“

Keine Freude mit der Umgestaltung der Umgestaltung hatte indes ein Standard-Journalist, der erst zur Mittagsstunde von der „Kunstinstallation“ berichtete. Er wollte den heimischen Identitären-Chef Martin Sellner vor Ort erkennen. Zudem deutete die Entfernung der Betonlettern als „Zerstörung“ des umgestalteten Denkmals – was in den Kommentaren unter seinem Tweet für einige amüsierte Reaktionen sorgte.

Patriotische Bürger wollen Denkmal erneut bewachen

Die Bürgerbewegung „Die Österreicher“ (DO5) möchte indes in der Nacht eine Mahnwache am Denkmal unterhalten. Sie protestiert dagegen, dass „linksextreme Bilderstürmer […] das Luegerdenkmal ausradieren“ wollten. Man rufe alle Patrioten auf, ab 21:30 Uhr zum Luegerplatz zu kommen, um „die Schänder“ zu stoppen. Bereits nach den Vandalenakten im Frühsommer bewachten Aktivisten aus dem Umfeld der Gruppe dieses nächtelang – Tagesstimme berichtete.

Ein Kommentator auf Twitter zeigte auf, dass es durchaus Indizien gibt, wieso manche Bürger eher die „Kunst“-Installation denn das Denkmal selbst als „Schande“ sähen. Er sprach im Bezug auf das Selbstverständnis der ausführenden Gruppe von eine Sinnbild für den „Verfall der Werte“.


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