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Trostlos, würdelos, pietätlos

Mit diesem Klotz verhöhnt Wien die Terror-Toten

Es war eine schreckliche Nacht im November, die auch den letzten Träumer aus seinem vorherigen Wolkenkuckucksheim riss. Österreich als irgendwie heilig vor dem islamistischen Terror gefeite Insel der Seligen war nicht mehr. Vier Tote waren zu beklagen – und die Rufe nach einem Denkmal für sie wurden bald laut. Nun wurden sie zwar erhört – aber nicht auf besonders ehrerbietende Art und Weise.

Julian Schernthaner
Kommentarvon Julian Schernthaner
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<p>Bild: (C) C.Jobst/PID der Stadt Wien [red. Nutzung frei] (zugeschnitten)</p>

Bild: (C) C.Jobst/PID der Stadt Wien [red. Nutzung frei] (zugeschnitten)

Kommentar von Julian Schernthaner.

Die Anteilnahme der Wiener war enorm. Am Desider-Friedmann-Platz im ersten Wiener Bezirk entstand rund um die Kränze der Repräsentationen aus der Politik und der Religionen ein imposantes Lichtermeer. Zeitweise hatte sich ein gut 100 Quadratmeter großer Kerzenteppich gebildet. „Schleich di, du Oaschloch“ wurde zum geflügelten Wort, was die Hauptstädter von jenen hielten, die Gewalt, Teufel, Tod und Terror in ihre Stadt brachten. Dann wurde das Gedenken getrübt.

Große Enthüllung fördert kleines Etwas zutage

Denn etwas mehr als ein Monat nach dem verheerenden Attentat verwüstete eine 56-jährige Türkin die Gedenkstelle. Daraufhin wurden Rufe nach einem permanenten Denk- und Mahnmal laut. Letztendlich erhörte die Stadt Wien die Rufe. Ende Jänner erklärte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) mit großem Getöse, dass man einen meterhohen Gedenkstein aufstellen möchte und daher beginnt, die Kerzen wegzuräumen. Am gestrigen Dienstag fand die große Enthüllung dann statt.

Obwohl, so groß konnte sie gar nicht geraten. Denn dort, wo zuvor die Kerzen auf Meter strahlten, um an die fürchterlichste Nacht der jüngeren Wiener Geschichte zu erinnern, steht nun eine kleine Stele. Gerade einmal etwas mehr als einen halben Meter groß, mit völlig liebloser Gestaltung, in der perfekten Höhe, dass schon bald die zahlreichen Hunde der Stadt sie für einen Markierstein halten. Es gibt kein künstlerisches Merkmal, keinen andächtigen Spruch, nur eine lapidare erklärende Inschrift.

Mini-Stele verschweigt nach Terror Ross und Reiter

„Im Gedenken an die Opfer des Terroranschlages vom 2. November 2020“, die englische Übersetzung des Textes sowie das Logo der Stadt Wien zieren die Mini-Säule, die man schon einmal übersieht. Ein lieblos hingekleckertes Denkmal – das ist dem offiziellen Wien das Gedenken an vier Menschen wert, deren einziger Fehler es war, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Wenigstens ist der Genitiv dabei korrekt, aber schon die Präposition ist die falsche…

Wenn man nicht gezielt darauf zusteuert, übersieht man es leicht. Nicht einmal Ross und Reiter werden benannt, der politische Islam wurde ausgespart. Als wäre es ein Denkmal der Schande, steht es einsam im Straßenpflaster. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis daneben irgendwelche Schanigarten-Tische stehen und die Menschen es nur zufällig bemerken, weil sie aus Versehen ihren Stuhl dagegen knallen, wenn sie näher an ihr Date rücken wollen.

Rotes Wien mit zweierlei Maß bei Denkmälern

Verständlich wäre ein derart würdeloses Denkmal vielleicht, wenn dies die generelle Route der Wiener Denkmalpolitik wäre. Allerdings versteckt Wien nur, was ihm peinlich ist. Am Kahlenberg steht seit Jahren ein Sockel mit einem Platzhalter-Plakat. Man fürchtet, ein Standbild des Entsatzer-Helden von 1683, dem Polenkönig Jan III. Sobieski, könnte die Gefühle der türkischen Community kränken. Der Siegfriedskopf zum Gedenken an gefallene Uniangehörige im ersten Weltkrieg befindet sich dort nicht mehr in der Aula, sondern zerstückelt in einem beschrifteten Glassarg in einem Garten.

Wenn es um politisch opportune Denkmäler geht, kann man hingegen klotzen. Das Omofuma-Denkmal am Platz der Menschenrechte ist eine riesige Säule für einen einzigen, bei seiner Abschiebung tragisch zu Tode gekommenen Migranten. Auch die Büste von Che Guevara im Donaupark ist riesig. Während man also stolz einem kommunistischen Massenmörder gedenkt und einen Schubhäftling wie eine Monstranz vor sich herträgt, schämt man sich offenbar für die Toten aus der eigenen Mitte. In der Ankündigung war er noch einen Meter hoch – einen guten Kopf kürzer ist der Gedenkstein nun.

Würdevolles Mahnmal statt mickrigen Klotzes wäre nötig

Denn was nicht sein darf, kann eben nicht sein. Wien als historischer Schmelztiegel aller Kulturen, als El Dorado der Weltoffenheit – dieses propagandistische Zerrbild muss um jeden Preis bestehen bleiben. Ein Platz der Begegnung, in dem sich jeder lieb hat, wo es auch keine Straßenschlachten infolge importierter Spannungen gibt. Und da passt so ein islamistischer Anschlag so gar nicht ins Konzept. Und der ist ihnen kein Weckruf, sondern nur eine „Verwerfung „am Weg zum ’neuen Menschen‘ im globalen Dorf, dessen Modell man an der Donau sein will.

Nun steht der Stein da. Grau und trostlos verhöhnt er das Gedenken an eine Kellnerin und Studentin (24), einen Gastronomen (39), eine Frau auf ihrem Arbeitsweg (44) und einen Hobbyfußballer (21). Man hätte ihnen ein würdevolles Andenken widmen sollen, das jeden Passanten förmlich anschreit, dass die Folgen von Massenmigration und mangelhafter Integration tödlich sein können. Gegeben hat man ihnen einen kleinen Klotz am Boden. Er sagt: „Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie weiter“. Und das ist ebenso ehrlich wie traurig: Die Stadt Wien schert sich einen feuchten Kehrricht um die Terror-Opfer.


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