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„Hauruck-Aktion“

Unmut über Massenimpfung in Tirol wächst

Diese Neuigkeit weiß zu polarisieren: Mit der ominösen „südafrikanischen Mutation“ als Grund wollen Land, Bund und EU-Granden einen ganzen Bezirk durchimpfen – und die Erkenntnisse dabei für Forschungszwecke verwenden.

3 Minuten Lesezeit
<p>Symbolbild: Pixabay</p>

Symbolbild: Pixabay

Schwaz. – Die Silberstadt Schwaz hat eine bewegte Geschichte, war zu ihrer Blüte einst nach Wien die zweitgrößte Stadt im heutigen Österreich. Heute ist sie ein verschlafenes 13.000-Einwohner-Städtchen und fungiert als Bezirksstadt für knapp 80.000 Menschen vorwiegend im Inn-, Ziller- und Achental. Nun schaut ganz Europa dorthin – denn der Bezirk Schwaz wird zur offiziellen „EU-Forschungsregion“ im Hinblick auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Scharfe Kritik daran übten die Freiheitlichen.

Abwerzger ärgert sich über „Corona-Chaos-Politik“

„Die Corona-Chaos-Politik der ÖVP und Grünen geht weiter, denn Mutationen lassen sich auch nicht mit Massenimpfungen ausmerzen“, ärgerte sich Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger der Krone zufolge über diesen Schritt. Später legte er auf Facebook nach – das Ganze mute wie eine „Hauruck-Aktion“ an. Der blaue Spitzenpolitiker verwies darauf, dass die „Durchseuchung“ in anderen Bundesländern und Bezirken weitaus höher sei. Bei der Impfung solle man sich auf Risikogruppen konzentrieren.

Prestige-Aktion für die „Herdenimmunität“

Wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch erklärte, riet ihm EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu diesem Schritt. Damit die Aktion auch funktioniert, liefern Pfizer und BioNTech 100.000 Vakzine – und zwar außerhalb ihrer üblichen Liefertranchen. Diese sollen möglichst schnell an die ganze Bevölkerung verimpft werden, jeder ab 16 Jahren ist dazu aufgerufen. Darüber hinaus müssen sich die Schwazer einstweilen aus ihrem Bezirk „freitesten“ – für zahlreiche Pendler ein Mehraufwand.

Die schwarz-grüne Landesregierung sieht eine große Errungenschaft. Wie Gebhard „Gebi“ Mayr, grüner Klubobmann im Landtag, befindet: „Der Impf-Schutzschirm ist dann wirksam, wenn es gelingt, im Bezirk Herdenimmunität durch die Schutzimpfung herzustellen. Damit kann die Ausbreitung der Mutation verhindert werden, weshalb die Teilnahme im Interesse aller Schwazerinnen und Schwazer sowie von ganz Tirol ist.“

Für den Eindruck, wonach sich eine breite Front für das Impf-Experiment ausspreche, zitiert die Krone Aussendungen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und des Wirtschaftsbunds. Was dabei nicht erwähnt wird: In Tirol handelt es sich dabei samt und sonders um ÖVP-Politiker, deren Ablehnung einer von ihrem Parteichef eingefädelten Prestige-Aktion einem Wunder gleichkäme.

Impfstudie an Bürgern trotz zweifelhafter Wirksamkeit

Und so wirklich verbreitet ist die Mutation B.1.351 aber gar nicht einmal. Zu Wochenbeginn standen gerade einmal 89 Tiroler – also 0,012 Prozent der Bevölkerung des Bundeslandes – im Verdacht, die Südafrika-Mutation in sich zu tragen. Alleine 35 dieser Personen wurden aber in Mayrhofen identifiziert, die Marktgemeinde im hinteren Zillertal war zuletzt trotz einer örtlichen Nachverfolgbarkeit der Coronafälle von 86 Prozent über mehrere Tage in Gemeindequarantäne.

Insgesamt macht der Anteil der Südafrika-Mutation nur 5,11 Prozent der Testpositiven in Tirol aus, das wiederum am Mittwoch als einziges Bundesland neben Vorarlberg eine zweistellige 7-Tages-Inzidenz aufwies. Die Verwertbarkeit der Rohdaten zur Wirksamkeit der umstrittenen Impfung ist also ungewiss. Auch von einer Überlastung der Spitäler kann keine Rede sein – am gestrigen Tag gab es lediglich 63 Hospitalisierungen mit oder wegen Corona, 24 davon auf der Intensivstation.

Dennoch sollen in diesem Bundesland alle erwachsenen Bürger eines ganzen Bezirkes für eine breite Impfstudie herhalten – kritische Beobachter sprechen längst von einer Verwendung der leidgeprüften Tiroler als „Versuchskaninchen“.

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