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Nürnberg

Spielzeugmuseum überarbeitet Ausstellung nach Rassismus-Vorwurf

Das Museum will nun einen „Rassismus-sensiblen Weg“ mit fünf Stationen aufbauen und diesen im Juli seinen Besuchern präsentieren.

2 Minuten Lesezeit
<p>Bild: Figur vor dem Spielzeugmuseum in Nürnberg / <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Figur_vor_Spielzeugmuseum_N%C3%BCrnberg.jpg">Matthias.Gruber</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)</p>

Bild: Figur vor dem Spielzeugmuseum in Nürnberg / Matthias.Gruber, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Nürnberg. – Im Nürnberger Spielzeugmuseum ist eine Rassismus-Debatte ausgebrochen. Denn zehn Spielzeuge in der Hauptausstellung und mindestens 70 weitere im Museumsdepot seien „klar rassistisch bis zumindest kompliziert“, wie Karin Falkenberg, Leiterin des Spielzeugmuseums, dem Online-Nachrichtenportal inFranken.de. bestätigte. Bereits 2018 hätten Museumsmitarbeiter deshalb entschieden, die betroffenen Figuren und Spielzeuge vorerst aus der Hauptausstellung zu entfernen.

Aufgebrachte Afroamerikanerin stieß Debatte an

Angestoßen hatte die Debatte laut Falkenberg eine Besucherin aus den USA mit afroamerikanischen Wurzeln, die sich bei ihrem Museumsbesuch 2017 von der Kasse aus zur Museumsleiterin durchstellen ließ. „Die Dame hatte sich an der Kasse beschwert und von dort aus bei mir im Büro angerufen“. Es ging konkret um die Blechaufziehfigur „Alabama Coon Jigger“. Die Frau sei aufgebracht gewesen, da sie die Blechfigur unkontextualisiert in der Ausstellung gesehen habe. „Das ist purer Rassismus, den Sie da zeigen! Dieses Objekt verletzt mich und alle Menschen mit afroamerikanischen Wurzeln!“

Der „Coon Jigger“ ist eine schwarze, männliche Figur aus Blech, die um 1912 von der Spielzeugfirma Ernst-Paul Lehmann hergestellt wurde und die tanzt, wenn man einen kleinen Federmotor bedient, heißt es auf der Website des Museums. Das Wort „Coon“ sei in Deutschland fast unbekannt, in den USA hingegen sei es ein Schimpfwort für Afroamerikaner. Das Wort „Jigger“ referiere auf einen Parasiten aus der Familie der Sandflöhe. Das stelle schwarze Menschen herabwürdigend als Untergebene der weißen Bevölkerung dar, die ihr lediglich zur Unterhaltung dienen würden. „Die Spielzeughersteller waren nicht alle Rassisten“, so Falkenberger. Aber sie hätten „die Ansichten ihrer Zeit auch im Kinderspielzeug gespiegelt.“

„Rassismus-sensibler Weg“ geplant

Nach dieser Beschwerde sei das Team des Spielzeugmuseums mit „Menschen mit Diskriminierungserfahrungen“ durchs Museum gegangen und habe sich jedes Ausstellungsstück angeschaut. Viele der „problematischen oder rassistischen“ Ausstellungsstücke sollen den Besuchern weiterhin gezeigt werden. Allerdings in einer überarbeiteten Hauptausstellung, die ab dem 15. Juli 2021 besucht werden kann. „Wir bauen einen Rassismus-sensiblen Weg mit fünf Stationen auf“, erklärte Falkenberg.

Eine Mitarbeiterin arbeite außerdem seit 2019 nahezu ausschließlich zum Thema „Diversitätssensibilität und anti-rassistisches Kuratieren“. Nun gebe es entsprechende Kommentare, sogenannte Triggerwarnungen oder Aktionen zu dem Spielzeug. Laut Falkenberg trage jeder „Alltagsrassismus“ in sich. Auch sie habe „trennendes Gedankengut“ in sich. Das sei normal. Die Frage sei aber, wie man damit umgehe, erklärte die Museumsleiterin.

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