Folge uns auch auf Telegram!Zum Telegram-Kanal 

Kaufe im Freilich-Buchladen

Drei Fragen an

Irfan Peci zur umstrittenen Islam-Karte

Eine österreichische „Islam-Landkarte“ sorgt für politische und mediale Diskussionen. Was es damit auf sich hat, erklärt der Islam-Kritiker und FREILICH-Autor Irfan Peci im Interview mit der TAGESSTIMME:

Interviewvon Redaktion
4 Minuten Lesezeit
<p>Bild: Irfan Peci.</p>

Bild: Irfan Peci.

TAGESSTIMME: Die Dokumentationsstelle Politischer Islam in Österreich hat eine „Islam-Karte“ veröffentlicht. Was kann sie?

Irfan Peci: Die Islamkarte listet alle islamischen Einrichtungen in Österreich auf, sowohl islamistische wie auch normale Moscheen. Die Karte an sich ist sehr unspektakulär, da ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen verwendet werden, umso erstaunlicher ist die Aufregung. Inwiefern das ein Sicherheitsrisiko sein soll, wie von Ümit Vural (Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich IGGÖ, Anm. d. Red.) und anderen behauptet, ist mir ein Rätsel. Mit einer Google-Recherche findet man ebenso alle genannten Einrichtungen samt Adressen, auch der Vereinsregisterauszug ist öffentlich zugänglich und kann von jedem innerhalb von zwei Minuten runtergeladen werden. Solche Karten habe ich vereinzelt schon auch für gewisse Bundesländer in Deutschland erstellt – das ist eine Arbeit von ein paar Tagen.

Was bringt es, den politischen Islam so sichtbar zu machen?

Ich halte diese Art der Präsentation mittels Karte grundsätzlich für sinnvoll, allein um Transparenz in dieses mittlerweile unübersichtliche Chaos zu bringen. Viele Bürger blicken kaum noch durch und wissen aufgrund der vielen verschiedenen islamistischen Akteure nicht mehr eindeutig zu unterschieden. Mit dieser Karte kann sich jeder Bürger selbst ein Bild machen, vor allem auch von der Umgebung, in der er selbst wohnt.  Man bekommt einen Eindruck von der ziemlich weit vorangeschrittenen Islamisierung des Landes, allein durch die schiere Anzahl an über 600 islamischen Einrichtungen in Österreich, davon über 200 allein in Wien.

Wir haben bis jetzt noch nicht viel gesehen von der Dokumentationsstelle? Wie bewerten Sie deren Arbeit gegen den politischen Islam?

An sich halte ich das Konzept der Dokumentationsstelle für richtig, auch personell mit Lorenzo Vidino oder Heiko Heinisch sind sie relativ gut vertreten. Man darf sich davon jedoch auch nicht täuschen lassen, natürlich wird hier auch mit angezogener Handbremse gearbeitet. Die ÖVP will mit der Dokumentationsstelle ihren Kampf gegen den politischen Islam unter Beweis stellen und die FPÖ als überflüssig darstellen. Gleichzeitig sind sie in einer Koalition mit den Grünen natürlich grundsätzlich schon nicht in der Lage, den politischen Islam ernsthaft zu bekämpfen, geschweige denn das Problem zu lösen. Wenn der grüne Koalitionspartner ihnen schon bei so einer harmlosen Islamkarte in den Rücken fällt und sich klar davon distanziert, was wäre erst los, wenn man tatsächlich anfangen würde, den politischen Islam zu bekämpfen?


FREILICH-Politikon „Wider die Islamisten“ von Irfan Peci. HIER im FREILICH-Buchladen bestellen!


Das zeigt sich dann eben auch in der Arbeit der Dokumentationsstelle, in welcher Experten und Islamkritiker vertreten sind, die vom Mainstream noch geduldet werden, wie ein Mouhanad Khorchide beispielsweise. Die Islamkarte ist zwar sinnvoll, steht aber in keinem Verhältnis zu den Möglichkeiten und dem Budget der Dokumentationsstelle. Gerade bei den sensiblen Moscheen, bei den man sich mehr Informationen erhofft, wie beispielsweise dem Islamischen Kulturzentrum Graz, ist nur zu lesen: „Wir arbeiten daran und werden bald die Ergebnisse veröffentlichen.“ Der Rest sind, wie gesagt, öffentlich zugängliche Informationen, die schon bekannt sind, dafür braucht es aber keine 500.000 Euro Budget, Vollzeitangestellte und eine Dokumentationsstelle. So eine Karte für Österreich, mit weit aus mehr Informationen zu den jeweiligen Einrichtungen, könnte ich alleine innerhalb weniger Wochen fertigstellen.

Das Problem sind jedoch sicherlich nicht die fehlenden Informationen der Dokumentationsstelle, sondern der Wille, konsequent vorzugehen – dies ist aber nicht gewollt. Die ÖVP bekämpft den politischen Islam nur in einem sehr engen Rahmen, diese Rahmenbedingungen geben ihnen aber Linke und Muslime vor. Denn durch ihre meta-politische Macht bestimmen sie, was als islamfeindlich und rassistisch zu gelten hat. Darunter fallen eben auch solche harmlosen Karten mit öffentlich-zugänglichen Informationen. Mit dieser im Nachhinein künstlich erzeugten Empörung über die Islamkarte haben sie der ÖVP nun klar die Grenzen aufgezeigt, die sich angesichts der momentan schwierigen Lage hüten wird, sich erneut dem massiven Druck von Linken und Muslimen auszusetzen. Daher, prognostiziere ich, wird man demnächst eher zurückrudern und sehr vorsichtig sein im Kampf gegen den politischen Islam, und diese harmlose Islamkarte wird schon der Höhepunkt gewesen sein. Es ist insgesamt betrachtet nichts Halbes und nichts Ganzes. Den linken Freunden geht das zu weit und in Richtung Rassismus und Islamfeindlichkeit und von rechten Islamkritikern wird diese alibimäßig betriebene Aufklärung durchschaut und als viel zu wenig betrachtet.


Zur Person:

Irfan Peci, geboren 1989 in Serbien, aufgewachsen in Bayern, schloss sich als Jugendlicher der islamistischen Bewegung an und wurde 2007 zum Deutschland-Chef eines islamistischen Propagandanetzwerkes. In Haft fand eine weltanschauliche Umorientierung statt, von da an arbeitete er verdeckt in der Dschihadistenszene für den deutschen Inlandsnachrichtendienst. Heute engagiert sich Peci hauptsächlich in der Aufklärung über die Gefahren des Islamismus und arbeitet als Autor und Politikberater.

Homepage: www.irfan-peci.de

Cover der Freilich-Ausgabe #10
Freilich Nr. 11 "Schlecht gerüstet" erschienen!
Der Soldat allein ist längst kein freier Mann mehr. Und um den Zustand der heimischen Armeen steht es schlecht. Dabei drohen uns immer mehr Gefahren. Wie die Zukunft des Krieges aussieht und ob wir dafür gerüstet sind, lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe des FREILICH Magazins.
Jetzt abonnieren