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Literatur

Tage können mit Schusswunden beginnen

Der Antaios Verlag bewegt sich mit seiner edition nordost abseits der Theorie-Lektüre und bietet ein belletristisches Programm. Jetzt hat Rudolf Preyer unter dem Schnellrodaer Verlagsdach mit „Fall und Aufstieg der Familie Gottmann“ ein amüsantes, leicht irrwitziges und gut lesbares Luftmatratzenschwimmbadbuch abgeliefert.

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Wenn man August Ruhs, Wiener Psychoanalytiker im Vorstand der Freud-Gesellschaft, Glauben schenken darf, gelten Kreis und Girlande in Wien als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Der Wiener Uni-Professor sieht „Phantasmen des Untergangs und Bestrebungen des Aufbruchs – besonders in Wien“, ein Aufeinanderprallen von zwei Welten, einer untergehenden und einer aufkommenden, wenn sich die Jahrhunderte wenden.

Fetzig, absurd, rasant

Vielleicht gilt auch in das Folgezentennium hinein, dass sich die sozialen Entwicklungen Wiens in einer für Wien typischen Figur nach Ruhs darstellen: jener des Kreises und Einkreisens. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls auch das neue Buch von Rudolf Preyer „Fall und Aufstieg der Familie Gottmann“. Anders als für die Geschwister Usher in der Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher“ von Poe, zieht die Schicksalskurve der Familie Gottmann schlussendlich wieder nach oben. Obwohl man sich dazu entscheiden kann, die Protagonisten herzlich unsympathisch und alle anhaftenden Klischees bestätigt zu finden, siegt durch die Gottmanns doch noch so etwas wie die Gerechtigkeit und der Antrieb zur beherzten Selbstverteidigung.

Der Antaios Verlag schreibt gut gelaunt: „Ein fetziger Roman, absurd, rasant, voller Klischees! Die Gottmanns (typisches Wiener Bürgertum, Villa und Landhaus, zwei Kindern, moderner Wohlstand) sind auf Zack, sollen trotzdem ausgeraubt werden und müssen plötzlich schießen. Und sonst? Es wird geschossen, gefochten, gegrillt, tätowiert, geliebt, gedealt und gechattet – mal nichts Schweres halt.“ Dem ist wenig hinzuzufügen – nur dies: Die Wiener Boshaftigkeit, die dem Unwissenden völlige Entspanntheit in den Untiefen des Lebens suggeriert, im Grunde allerdings nur eine verachtende und genervte Fatalismusvariante bedeutet, prägt auch Preyer und seine Schreibkunst. Er schrieb schon früher über die Mitbegründerin der Austria Presseagentur, Elisabeth Thury, Sätze wie: „Geboren als serbische Fürstentochter kam sie relativ bald in den Verdacht Giftmorde begangen zu haben, und zwar an der Gattin des Bruders des Kardinal Piffel. Genau so später an der Gattin eines Verlegers. Dann wurde sie Journalistin für bedeutende Wiener Zeitungen […] und später auch für ausländische Nachrichtenagenturen.“

In de Goschn

Möglich, dass Wolf Wondratschek wegen dieser Wiener Sichtlagen und Einsichten gegenwärtig vorwiegend in Wien lebt. Der 68er-Poet, der Marcel Reich-Ranicki mit „einem seiner Lieblingsthemen“ auf die Nerven ging, „[er] redet und schreibt gern und oft über Nutten und Bordelle“, widmet sich auch fachkundig dem Boxsport. Der gebürtige Weinviertler Rudolf Preyer treibt es ähnlich und macht aus seiner Liebe zum Wrestling/Catchen keinen Hehl; er gibt das Wiener Wrestler-Magazin „In de Goschn“ heraus. Außerdem arbeitete der Journalist und Autor als Theater-Regisseur und Produzent und war nach eigenen Angaben jüngster Theaterintendant Österreichs. Basierend auf der Biografie „Die Thury: Mit Gift und Feder“ (Edition Steinbauer, 2010) verfasste er den Kriminalroman „Die Thury und der Lord: Kaschau-Kannibalen“ (Verlag Günter Hofer, 2013). Anfang 2017 erschien bei Aavaa der Kriminalroman „Kaputte Triebe“. Preyer gibt nicht nur sich, sondern auch anderen eine Chance und ist Geschäftsführer des Wiener Heftiger Verlags. 

www.indegoschn.at

www.heftiger.at

Rudolf Preyer „Fall und Aufstieg der Familie Gottmann“ (HIER bestellen!)

ISBN 9783949041112 D 16,00 € / A 16,50 €

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