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Fragen & Antworten zu den Bauern-Protesten in den Niederlanden

Max Schmid ist Publizist und schreibt regelmäßig für die konservative Ökologiezeitschrift Die Kehre. Der AgrarökologieExperte hat für die TAGESSTIMME die Hintergründe der Bauernproteste in den Niederlanden erläutert.

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<p>Bild: Filmkunstkollektiv</p>

Bild: Filmkunstkollektiv

Was passiert aktuell in den Niederlanden?

Seit mehr als zwei Wochen protestieren Landwirte in den Niederlanden gegen Regierungsauflagen, die sie vor ihr wirtschaftliches Aus stellen. Seitdem prägen Straßensperrungen, leere Regale in Supermärkten und Demonstrationen aus kilometerlangen Traktorzügen das Bild in unserem Nachbarland.

Was ist der Auslöser des Protests?

Das Ziel der niederländischen Regierung ist die Reduzierung von Stickstoffemissionen. Bereits 2019 bestätigte das oberste Gericht des Landes, dass die EU-Normen zum Stickstoffausstoß nicht eingehalten werden und die Regierung Maßnahmen zu deren Behebung zu schaffen habe. Die neuesten Maßnahmen zur Reduzierung der Stickstoffbelastungen treffen nun den Agrarsektor, der 40 Prozent der Schadstoffe freisetzt.

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Wie ist die Landwirtschaft in den Niederlanden aufgestellt?

Die niederländische Landwirtschaft ist stark durch tierische Produktion gekennzeichnet. Es werden dort rund vier Millionen Rinder, zwölf Millionen Schweine und 100 Millionen Hühner gehalten. Zum Vergleich: Die Viehbestände in der BRD umfassen elf Millionen Rinder, 23 Millionen Schweine und 160 Millionen Hühner. Das Staatsgebiet der Niederlande hingegen entspricht kaum der Fläche des Bundeslandes Niedersachsen (und damit einem Zwölftel der Fläche der BRD) ist aber der weltweit zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Was sind die Folgen intensiver tierischer Produktion?

Diese Form der Landwirtschaft ist gekennzeichnet durch ein hohes Aufkommen von tierischen Ausscheidungen. In Form von Gülle, Mist und Jauche landen jene wiederum als Dünger auf den Äckern. Allerdings sind die Tierbestände in den Niederlanden gemessen an der Landesfläche zu hoch, sodass die Böden zu großen Konzentrationen der Düngemittel ausgesetzt sind. Im Falle des chemischen Elementes Stickstoff sind es nun die beiden Formen des Nitrats (NO3-) und des Ammoniaks (NH3), die vorrangig durch die Landwirtschaft verursacht werden und sich negativ auf die Umwelt auswirken. Nitrat belastet das Grundwasser und bei Ammoniak handelt es sich um einen Luftschadstoff.

Was sind die Pläne der niederländischen Regierung?

Die Pläne der aktuellen liberalen Regierung sehen eine drastische Reduzierung der Stickstoffemissionen vor. Je nach Region sollen die Belastungen um bis zu 70 Prozent reduziert werden. In Naturschutzgebieten sogar um 95 Prozent. Das Mittel der Wahl ist dabei der Abbau an Viehbeständen.

Wie sollen diese Pläne umgesetzt werden?

Zwar erregen die Pläne des  Kabinetts Rutte IV große Empörung – an konkreten Ideen zur Umsetzung fehlt es derzeit noch. Dies überlässt man den Provinzialregierungen. Doch bereits im letzten Jahr informierte das landwirtschaftliche Magazin Agrarheute von einem Vorstoß der Regierung, der Tierhaltern den Ausstieg aus der Landwirtschaft ermöglichen soll. Dieses Modell sieht vor, den Landwirt für die Aufgabe seines Viehbestandes auszuzahlen – für die meisten bedeutet dies das Ende ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit.

Warum begehren die Bauern auf?

Es dürfte selbstverständlich sein, dass sich niemand von einen Tag auf den nächsten seine Existenzgrundlage, sein Lebenswerk nehmen lassen will. Mit jedem Hof ist eine Geschichte verbunden, eine Familientradition. Hinzu kommt, dass die aktuellen Bestimmungen zur Reduzierung der Stickstoffkonzentrationen sich in die große Vision eines „European Green New Deal“ einreihen, der wiederum als agrarischer Bestandteil eines „Great Reset“ angesehen wird. Vor allem die Beeinflussung von Klimaagitatoren Davosscher Prägung ala Luisa Neubauer stößt dem verwurzelten Landvolk bitter auf, sind es doch internationale, bürokratische Institutionen, die die heimische Regierung in die Mangel nimmt.

Zusätzlich wird durch den Ukrainekonflikt die Nahrungsmittelversorgung bedroht. Bereits jetzt sind Preisanstiege in fast allen Bereichen am eigenen Portemonnaie zu spüren. Ein erzwungener Ausstieg vieler Tierhalter verschärft also die drohende Nahrungsknappheit. Es ist jene Kurzsichtigkeit, die den Landmann zur Verzweiflung bringt.


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