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Harald Weyel

„Ich würde den Satz aus pädagogischen Gründen wiederholen“

Eine Aussage des AfD-Bundestagsabgeordneten Prof. Harald Weyel auf einer Fraktionsveranstaltung sorgte in den Medien für Aufsehen. Die TAGESSTIMME sprach mit ihm über diesen vermeintlichen Skandal.

Interviewvon Redaktion
5 Minuten
<p>Bild: Harald Weyel</p>

Bild: Harald Weyel

Dienstagsabend in Berlin. Die AfD hielt eine Fraktionsveranstaltung ab und streamte live auf der Plattform Tiktok. Nach Beendigung der Veranstaltung konnte der digitale Zuschauer einige Sätze der AfD-Politiker im Livestream hören. So antwortete Weyel auf die Prognose eines Parteifreundes, der Winter könnte „dramatisch“ werden: „Man muss sagen: hoffentlich. Wenn es nicht dramatisch genug wird, geht es so weiter wie immer.“ Sofort skandalisierten verschiedene Medien diese Aussage: AfD-Vertreter würden sich Katastrophen wünschen, um daraus politisches Kapital schlagen zu können. Im Gespräch mit der TAGESSTIMME erklärt der AfD-Politiker seine Aussage.

TAGESSTIMME: Herr Prof. Weyel – Ihre Aussage auf einer Fraktionsveranstaltung am Dienstabend liegt nun schon einige Tage zurück. Sie wurden auf Twitter und von den Medien für diesen Satz stark kritisiert. Würden Sie diesen Satz nochmal so wiederholen? Bereuen Sie ihn?

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Prof. Weyel: Das Gehalt von dem Satz war schon in meinem Vortrag enthalten: Ich befürchte, dass nur eine Krise viele Mitbürger zum Umdenken über die Energiewende ins Nichts und die Selbstmordsanktionen gegen Russland bewegen kann. Die Medien, die über meine ironische Zuspitzung berichtet haben, mussten zwangsläufig auch die eigentliche Aussage zitieren. Insofern würde ich den Satz aus pädagogischen Gründen wiederholen.

Europa schlittert in mehrere Krisen, so dass durchaus von einer dramatischen Lage gesprochen werden kann. Versteht man Sie richtig, wenn man sagt, dass Sie diese Krisen auch als eine Chance ansehen? Zum Beispiel für einen politischen Umbruch?

Nicht die Krise selbst ist die Chance, da sie Wohlstand, Planungssicherheit und Zuversicht in die Zukunft zerstören wird. Erst die Desillusionierung mit den verantwortlichen politischen Eliten, die daraus folgen muss, sehe ich als eine Chance an.

Glauben Sie, dass ein politischer Umbruch auch ohne den aktuellen Krisen möglich wäre? Schließlich erleben wir seit Jahren immer wieder neue Krisen. Finanzkrise 2008. Eurokrise 2012. Flüchtlingskrise 2015. Pandemie 2020. Kann eine Verschlechterung der Lage wirklich die Verhältnisse ändern?

Ich glaube, dass ein politischer Umbruch ohne die aktuellen Krisen viel langsamer vonstatten gehen würde. Die Finanzkrise 2008 und die Eurokrisen 2021 gingen nicht mit einer grundsätzlichen Ressourcenknappheit einher, sondern hauptsächlich mit Turbulenzen am Finanzmarkt und Staatspleiten. Die AfD existiert in ihrer jetzigen Form, weil breite Schichten der Bevölkerung die Welle der illegalen Einwanderung seit 2015 abgelehnt haben. Wichtig ist aber, dass wir auf die meist unsichtbaren strukturellen Probleme hinweisen, die jahrelang nicht auffallen und sich plötzlich in Krisen manifestieren. Das sind nämlich eine Energiepolitik, die die Gesetze der Thermodynamik missachtet, eine Außenpolitik, die genau gegen deutsche Interessen gerichtet ist, und eine Einwanderungspolitik, die zum Aufenthalt in der sozialen Hängematte einlädt – auch gerne illegal.

Kritiker sehen Ihren Satz in einer Reihe mit ähnlichen Aussagen. So äußerte sich der ehemalige AfD-Pressereferent C. Lüth im Jahre 2020 ähnlich – das Motto der Kritiker: „Die AfD profitiert von schlechten Zuständen und hofft darauf!“ Ist es aber nicht in einer Demokratie logisch, daß die Opposition von schlechter Regierungspolitik profitiert? Muss sich also die AfD dafür „schämen“, mit schlechter Regierungspolitik „besser“ leben zu können als mit einer guten?

Die AfD weist beharrlich auf destruktive Entscheidungen hin, deren Konsequenzen wir alle immer spüren. Diese Konsequenzen nehmen allerdings häufig nur in Krisen ein Ausmaß an, das nicht mehr von Journalisten verschwiegen werden kann, die am liebsten gar nicht darüber berichten würden. Sei es die Grenzöffnung, die Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015 oder die jetzige Gasknappheit. Es steckt die veröffentlichte Meinung solange den Kopf in den Sand bis ein Erdbeben ihn herauslöst.

Wir arbeiten täglich daran, einer aufgeklärten, realitätsorientierten Politik Gehör zu verschaffen, ohne dass die Bürger zunächst ihren Wohlstand verlieren. Wenn trotz unserer Warnungen das Vorhersehbare eintritt, haben wir Mitgefühl für die Opfer der Regierungspolitik – und sitzen als Staatsbürger ja mit auf dem besägten Ast. Wir sind auch die einzige Partei, die einen realisierbaren Ausweg aus der jetzigen Krise und der außenpolitischen Erpressbarkeit aufzeigt.

Als AfD-Politiker stehen Sie in der Opposition zur Regierung. Angenommen, Sie wären dazu in der Lage: Was würden Sie sofort umsetzen, um die angesprochene dramatische Lage im Winter zu verhindern?

Wir würden sofort die Selbstmordsanktionen gegen Rußland aufheben, Nord Stream 2 in Betrieb nehmen, den Weiterbetrieb aller Atomkraftwerke erlauben, neue Atomkraftwerke genehmigen und natürliche Ressourcen in Deutschland abschöpfen. Die dramatische Lage ist völlig vermeidbar und läßt sich noch jederzeit durch die Beendigung der suizidalen Politik abwenden, die Deutschland in Geiselhaft nimmt.

Butter bei die Fische: Gegenüber dem Stern sprachen Sie von einem „Missverständnis“. Denken Sie, dass man Sie vielleicht auch bewusst missverstanden hat?

Medien wie »Stern« finden eine zugespitzte Aussage eines AfD-Politikers tausendfach schlimmer als die Vernichtung des Wohlstands und die impotente Aggression der Regierung. Insofern darf es nicht überraschen, dass sie einen missverstehen.

Zum Abschluß eine simple Frage: Werden Sie vermehrt demnächst darauf achten, die Mikrofone zu deaktivieren?

Ich werde auch in Zukunft darauf achten, da immer mindestens ein Mikrofon eingeschaltet ist, wenn mir eine pointierte Aussage einfällt, die ich einfangen will. Dieses Mikrofon muss aber nicht immer mit einem Livestream verbunden sein.


Zur Person:

Prof. Dr. Harald Weyel wurde 1959 in Herborn-Burg geboren und hat eine Tochter. Er wurde 2000 auf Lebenszeit in eine Professur für (Internationale) „Betriebswirtschaft“ an der FH Köln berufen. Dort lehrte er bis zu seinem Einzug in den Bundestag 2017. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises EU in der AfD-Bundestagsfraktion sowie der AfD Rheinisch-Bergischer Kreis und seit 2018 Stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA. Er war 2017-22 im Beirat der BaFin.

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